Risse an der Decke, Sprünge in der Wand, ein feuchter Keller – nicht immer sind Baumängel dafür verantwortlich. Auch die Beschaffenheit des Baugrundes kann zu diesen Problemen führen. Um Schäden und Mehrkosten zu vermeiden, sollte diese idealerweise vor dem Grundstückskauf, spätestens aber vor Baubeginn, mit einem Bodengutachten überprüft werden, rät Geologe Günther Weixelberger.
Was ist ein Bodengutachten?
„Ein Bodengutachten, oft auch als Baugrundgutachten bezeichnet, gibt Auskunft über die Beschaffenheit des Bodens“, sagt Günther Weixelberger, der in Pitten ein Ingenieurbüro für Geologie betreibt. Dazu werden die geologische Situation, die Materialität, der Zustand und die Tragfähigkeit des Bodens sowie der Grundwasserspiegel erhoben und analysiert. „Mittels dieser Daten und Informationen können Gründungs- und Versickerungskonzepte bei Planung und Bau perfekt auf die gegebenen Verhältnisse abgestimmt und das Risiko späterer Schäden verringert werden“, sagt Weixelberger.
Welche Informationen enthält ein Bodengutachten?
Diese Erkenntnisse sind schließlich im Gutachten zu finden: „Es steht beispielsweise drin, ob der Boden locker, mittel oder dicht, lehmig, steinig oder ähnliches ist“, präzisiert Weixelberger. Auch Angaben dazu, ab welcher Tiefe er tragfähig ist und ob es Grund- oder Schichtwasser gibt, sind enthalten. „Wurde der Grund aufgeschüttet, wie das beispielsweise bei ehemaligen Schottergruben der Fall ist, steht das ebenfalls im Baugrundgutachten“, erklärt Weixelberger. Ebenfalls darin zu finden sind Bodenkennwerte – diese technischen Angaben sind für Planer und Statiker wichtig – sowie Informationen dazu, welche Art der Gründung es braucht. Darüber hinaus sind Versickerungskonzepte ein wesentlicher Bestandteil von Bodengutachten.
Wie läuft ein Bodengutachten ab?
Die Erstellung eines Bodengutachten ist ein komplexer Prozess. In der Regel werden dafür Daten aus öffentlichen Datenbanken wie dem Grundwasser- oder Altlastenkataster sowie geologischen Karten erhoben und analysiert. Ergänzt werden diese Informationen in der Regel durch eine Felduntersuchung auf dem Grundstück. Dabei werden gegebenenfalls bei Baggerschürfen in verschiedenen Tiefen Proben entnommen und in einem Labor auf ihre physikalischen und unter Umständen auch chemischen Eigenschaften untersucht sowie mit einer Sonde die Festigkeit des Grundes und der Wasserstand gemessen. Welche Schritte dabei im Einzelfall erforderlich sind, hängt von den bei der Datenanalyse und der Grundstücksbegehung gewonnenen Erkenntnissen sowie der geplanten Bebauung ab.
Warum ist ein Bodengutachten vor dem Hausbau wichtig?
„Der Baugrund entscheidet darüber, wie ein Haus gebaut werden sollte“, sagt Weixelberger. Weiß man über dessen Beschaffenheit nicht ausreichend Bescheid, kann es kurz- oder langfristig zu bösen Überraschungen wie Feuchtigkeitseintritt, Rissen, Setzungsschäden oder Rutschungen kommen. „Das kann beim eigenen Objekt der Fall sein, aber auch bei anderen Gebäuden oder Verkehrswegen“, weiß der Geologe.
Was passiert, wenn man ohne Bodengutachten baut?
Im besten Fall hat man Glück und es passiert nichts. Andernfalls jedoch kann es, wie eben erwähnt, zu durchaus gravierenden Problemen kommen. Diese sind oft nur sehr schwer und meist auch nur mit einem erheblichen finanziellen Mehraufwand, beispielsweise für Baustopps, Bodenverbesserungen, Hangsicherungsmaßnahmen oder die Behebung feuchter Wände, in den Griff zu bekommen. Das sind aber nicht die einzigen Kosten, die drohen, wenn es aufgrund eines fehlenden Bodengutachtens zu Problemen kommt. „Das Baugrundrisiko wird vom Bauherrn getragen“, sagt Weixelberger. Damit muss dieser alle Kosten, die in Zusammenhang mit einer für den jeweiligen Boden ungeeigneten Bauweise entstehen, tragen. Außerdem drohen unter Umständen lang dauernde und teure Streitigkeiten, sei es mit Planern, sei es mit Baufirmen oder Nachbarn. Auf eine Versicherung zu zählen, hilft in diesem Zusammenhang kaum: „Wenn es aufgrund eines schwachen Fundaments zu Schäden kommt, zahlt die Versicherung dafür nicht“, weiß der Experte.
Ein Bodengutachten würde somit einerseits die Standfestigkeit von Gebäuden sowie Bauherren absichern. „Mit einem Baugrundgutachten übernimmt der Gutachter die Haftung für das Baugrundrisiko“, sagt Weixelberger. Andererseits trage sie dazu bei, unerwartete Mehrkosten in der Bauphase sowie Kosten für die Behebung von Schäden zu vermeiden.
Was kostet ein Bodengutachten in Österreich?
Die Kosten für ein Baugrundgutachten richten sich nach dem damit verbundenen Aufwand. „Aber grundsätzlich kann man für ein einfaches Bodengutachten mit etwa 3.000 Euro rechnen“, so der Geologe. Ein Aufwand, der sich allerdings rechnet: „Es gibt eine Faustregel, nach der sich Kosten zur Behebung von Problemen, die aufgrund eines fehlenden Bodengutachtens in der Bauphase entstehen, um den Faktor zehn verteuern. Das gilt dann noch einmal, wenn sie erst Jahre danach auftreten“, rechnet Weixelberger vor.

Wie lange dauert ein Bodengutachten?
Je nach Aufwand dauert ein Bodengutachten zwischen zwei bis drei Wochen oder einigen Monaten. Letzteres ist beispielsweise der Fall, wenn ein Bohrer angefordert oder Proben im Labor analysiert werden.
Wer erstellt ein Bodengutachten?
Ein Bodengutachten darf nur durch befugte Büros, also Ziviltechnik-, Ingenieur- oder technische Büros, erstellt werden.
Ist ein Bodengutachten Pflicht?
Bodengutachten sind weder auf Bundes- noch auf Landesebene Pflicht. „In manchen Gemeinden, wie etwa den Wienerwald-Gemeinden oder in alpinen Gegenden, sind sie jedoch Voraussetzung für den Bau“, weiß Weixelberger. Statiker und Versicherungen fordern eine professionelle Beurteilung der Bodenverhältnisse immer öfter ein.
Unser Experte

Günther Weixelberger studierte an der Universität Wien Geologie. 1996 gründete der Allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige das Ingenieurbüros „Geologie Weixelberger“, das auf Bodengutachten, Geotechnik, Umweltgeologie, Hydrogeologie, Versickerungen sowie Erd- und Wasserbau spezialisiert ist.
Website: https://www.weixelberger.at/
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