Bauarbeiten bergen diverse Risiken: Bauarbeiter oder Passanten können verletzt werden, Schäden an Nachbargrundstücken und -gebäuden oder dem eigenen Bauvorhaben entstehen. Kann der Verursacher nicht ermittelt werden, wird in der Regel einmal der Bauherr in die Pflicht genommen. Eine Bauherrenhaftpflichtversicherung kann Sie jedoch vor den finanziellen Folgen schützen.
Was ist eine Bauherrenversicherung und wofür braucht man sie?
„Eine Bauherrenversicherung in dem Sinn gibt es in Österreich nicht. In der Regel wird darunter die Bauherrenhaftpflichtversicherung verstanden“, sagt Norbert Jagerhofer, Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten. Diese schützt Bauherren vor Ansprüchen Dritter, die durch Schäden infolge der Bauarbeiten, sowohl im Zuge von Neu- und Umbauten als auch Sanierungen entstehen können. Die Versicherungssumme wird individuell festgelegt und richtet sich nach dem Risiko beziehungsweise dem Bedarf des Bauherrn.
Was deckt die Bauherrenhaftpflichtversicherung ab und was nicht?
Die Bauherrenhaftpflichtversicherung deckt zum einen Sachschäden aus dem Risiko als Bauherr oder aus echter, unentgeltlicher Nachbarschaftshilfe – nicht aber Pfusch.„Die Fürsorgepflicht aus dem Baustellenkoordinationsgesetz gilt auch für Bauherren. Verletzt sich beispielsweise ein Bauarbeiter auf der Baustelle oder kommt ein Passant durch Verschmutzungen auf Gehwegen oder Fahrbahnen, die auf die Baustelle zurück zu führen sind, zu Schaden, wird der Bauherr in die Pflicht genommen“, erklärt Jagerhofer. Das gilt selbst dann, wenn ein Generalunternehmer beauftragt wurde. „Der Bauherr steht bei allen Forderungen in der ersten Reihe. Er muss diese abwehren oder befriedigen“, sagt der Versicherungsexperte Jagerhofer. Erst danach kann er vom Generalunternehmer Regress fordern.
Zum anderen sind auch Sachschäden durch die Bauherrenhaftpflichtversicherung gedeckt: Wird beispielsweise das Nachbarhaus im Zuge der Bauarbeiten beschädigt, greift diese Versicherung.
Nicht abgedeckt sind durch die Bauherrenhaftpflichtversicherung Schäden, die während der Bauarbeiten durch Vandalismus, Blitzschlag, Sturm oder Wasser am eigenen Grundstück beziehungsweise Haus oder an auf der Baustelle gelagerten Materialien entstehen. „Dazu braucht es eine Bauwesenversicherung“, sagt Jagerhofer. Sie deckt Sachschäden, die keinem Verursacher zuordenbar sind, ab. Das gilt auch für Folgeschäden, die auf unsachgemäße Arbeiten zurück zu führen sind, sowie den Diebstahl von bereits eingebauten Fenstern, Türen, Heizkörpern oder Sanitäranlagen.

Ist eine Bauherrenhaftpflichtversicherung in Österreich Pflicht?
„Pflicht ist die Bauherrenhaftpflichtversicherung nicht, aber ich denke, sie ist eine gute Investition“, so Jagerhofer.
Was kostet eine Bauherrenhaftpflichtversicherung in Österreich?
Die Kosten für die Bauherrenhaftpflichtversicherung, die im Rahmen der Eigenheimversicherung abgeschlossen werden kann, betragen in Österreich je nach Risikosituation 0,4 bis ein Promille der Baukosten.
Wie lang ist die Laufzeit einer Bauherrenhaftpflichtversicherung?
Die Laufzeit einer Bauherrenhaftpflichtversicherung beginnt mit der Eröffnung der Baustelle und endet in der Regel mit der Fertigstellungsanzeige. „Häufig gibt es aber auch eine dreijährige Nachmeldephase ab Übernahme des Objektes. Das ist absolut sinnvoll, weil sich Schäden am Nachbargebäude manchmal erst nach einiger Zeit zeigen“, sagt Jagerhofer.
Ab wann sollte man die Bauherrenhaftpflichtversicherung abschließen?
Eine Bauherrenhaftpflichtversicherung sollte noch vor Baubeginn, wie erwähnt spätestens mit Eröffnung der Baustelle abgeschlossen werden.
Was ist der Unterschied zwischen Bauherrenhaftpflichtversicherung und Bauleistungsversicherung?
„Eine Bauherrenhaftpflichtversicherung deckt wie gesagt nur Schäden, die Dritte durch das Bauvorhaben erleiden“, sagt Jagerhofer. Geht es darum, das Risiko von Schäden, die während der Bauarbeiten durch Vandalismus, Blitzschlag, Sturm oder Wasser am eigenen Grundstück beziehungsweise Haus oder an auf der Baustelle gelagerten Materialien entstehen, abzuwälzen, braucht es eine Bauwesenversicherung. „In Deutschland heißt diese Bauleistungsversicherung“, so Jagerhofer. Sie deckt jene Sachschäden am eigenen Eigentum, die keinem Verursacher zuordenbar sind. Das gilt auch für Folgeschäden, die auf unsachgemäße Arbeiten zurück zu führen sind, sowie den Diebstahl von bereits eingebauten Fenstern, Türen, Heizkörpern oder Sanitäranlagen. Die Jahresprämie für die Bauwesenversicherung liegt hingegen bei 1,2 bis 2,5 Promille der Baukosten.
Was ist eine Rohbauversicherung?
Durch Rohbauversicherungen sind ausschließlich Feuer-, Sturm- und Leitungswasserschäden am Rohbau gedeckt. „Daher halte ich eine Bauwesenversicherung für sinnvoller, weil sie eine All-Risk Versicherung während der Bauphase ist“, sagt der Berater in Versicherungsangelegenheiten.
Unser Experte

Norbert Jagerhofer ist Geschäftsführer der Norbert Jagerhofer GmbH sowie gerichtlich beeideter und zertifizierter Sachverständiger für Versicherungswesen. Zudem ist er Autor von Fachbüchern und Fachartikeln.
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