Wir leben weit über unsere Verhältnisse – zumindest, wenn es um den Verbrauch von Ressourcen geht. So hat Österreich seine natürlichen Ressourcen für das Jahr 2026 bereits Anfang April aufgebraucht, global ist das am 24. Juli der Fall. Angesichts dessen gewinnen Kreislaufwirtschaft und Recycling immer mehr an Bedeutung. Das gilt auch für Baustoffrecycling: Denn in dem Material, das beim Abbruch von Gebäuden oder beim Entfernen alten Straßenbelags anfällt, schlummern wertvolle Rohstoffe sowie Energie.
Was ist Baustoffrecycling und warum ist es wichtig?
Unter Baustoffrecycling wird die Aufbereitung und Weiterverwendung beziehungsweise unmittelbare Wiederverwendung alter Baumaterialien verstanden.
Die Vorteile von recycelten Baustoffen liegen auf der Hand: Werden alte Baustoffe als Rohstoffquelle verwendet, wirkt sich dies positiv auf den Verbrauch von Rohstoffen wie Sand, Kies und Gestein, aber auch von Energie aus. Gleichzeitig wird das Abfallaufkommen spürbar verringert, was wiederum die Deponien entlastet. Wussten Sie, dass allein beim Abbruch eines Einfamilienhauses bis zu 400 Tonnen Baurestmassen anfallen können? Werden Baustoffe regional aufbereitet und wiederverwendet, sind darüber hinaus die Transportwege kürzer und damit der CO2-Ausstoß geringer.
Welche Baustoffe können recycelt werden?
Mittlerweile kann der Großteil der Baustoffe recycelt werden. Nach Angaben des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) bleiben bei Bauabbrüchen beispielsweise mineralische Wertstoffe wie Beton, Ziegel, Kies oder Fliesen bereits zu 76 Prozent im Bau-Kreislauf erhalten. Stahl und Metall, aber auch natürliche Baustoffe wie unbehandeltes Holz, Lehm oder Hanf, sowie Mauerwerk, Bodenaushub und Mineralwolle können recycelt werden.
Wobei es nicht immer nur ums Können, sondern vielmehr ums Müssen geht: Seit 2024 dürfen Beton, Asphalt, Straßenaufbruch und Gleisschotter nicht mehr deponiert werden, seit Anfang 2026 gilt dies auch für Gipsplatten, Gips-Wandbauplatten und faserverstärkte Gipsplatten (Gipsplatten mit Vliesarmierung und Gipsfaserplatten). 2027 tritt ein Deponieverbot für künstliche Mineralwolle in Kraft.

Wie funktioniert Baustoffrecycling in der Praxis?
Um wiederverwendet beziehungsweise recycelt werden zu können, müssen Baustoffe möglichst rein zur Verfügung stehen. „Rein“ ist dabei nicht als sauber zu verstehen, sondern vielmehr als frei von Schad- und Störstoffen. Zu Ersteren gehören beispielsweise Asbest, Teer, künstliche Mineralfasern oder FCKW sowie Holzschutzmittel, zu Zweiteren unter anderem Glas, Gips oder Metall. Darüber hinaus müssen die Baumaterialien sortenrein getrennt werden. Je sorgfältiger dies geschieht, desto besser können Baumaterialien als Sekundärrohstoffe im Kreislauf erhalten werden.
Werden die jeweiligen Baumaterialien recycelt, werden sie entsprechend aufbereitet: Beton wird gebrochen und gesiebt, er findet als Recyclingbeton beispielsweise Verwendung als Unterlage im Straßenbau oder als Zuschlagstoff bei der Herstellung von neuem Beton.
Ziegel beziehungsweise Ziegelbruch werden beispielsweise Substraten, etwa für den Sportplatzbau, oder dem Unterbau von Wegen beigemischt. Abgebrochener Asphalt wird zu Granulat verarbeitet und aufbereitet, um schließlich wieder als Oberflächenbelag eingesetzt zu werden. Auch Fliesen werden zerkleinert und landen als Zuschlagstoff in Beton, Asphalt und anderen Baustoffen. Ungebrannter Lehm wiederum muss, um wieder verwendet werden zu können, nur angefeuchtet werden.
Fliesen, aber auch Holz, ganze Ziegel und andere Materialien müssen aber nicht unbedingt einen Recyclingprozess durchlaufen, sondern können oftmals einfach weiterverwendet werden.
Was besagt die Recycling-Baustoff-Verordnung in Österreich?
Mit der Recycling-Baustoffverordnung (RBV) sollen Kreislaufwirtschaft und Materialeffizienz in Österreich gefördert werden. Sie regelt zum einen die Trennung und Behandlung von Bau- und Abbruchfällen, zum anderen die Herstellung und Anwendung von Recycling-Baustoffen und gilt für Bau-, Abbruch- und Sanierungsvorhaben, bei denen relevante Mengen an Abfällen anfallen.
Sind recycelte Baustoffe genauso hochwertig wie neue?
Recycelte Baustoffe sind hochwertige Baustoffe im zweiten Leben. Sie werden nicht nur in Qualitätsklassen eingeordnet, sondern müssen auch dem Stand der Technik sowie den Vorgaben der EU-Bauprodukte-Verordnung entsprechen. Die Einsatzbereiche sind je nach Qualitätsklasse beschränkt.
Welche Baustoffe dürfen nicht recycelt werden?
Baumaterialien, bei denen eine Kontamination bekannt oder zu vermuten ist, dürfen der Recycling-Baustoffverordnung zufolge nicht für die Herstellung von Recycling-Baustoffen verwendet werden. Weiters sind Verunreinigungen mit den bereits erwähnten Schadstoffen wie Asbest, künstlichen Mineralfasern, Teer, Mineralöl, Gips oder magnesit- und zementgebundenen Holzwolledämmbauplatten zu vermeiden.
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