Sanfte Radien, „unsichtbare“ Technik und das Comeback der Haptik: Dominik und Susanne Petz vom Wiener Traditionshaus „Ecker auf Schubertring“ im Interview über die wichtigsten Küchentrends des 64. Salone del Mobile 2026.
Die Welt wird digitaler, kühler und oft auch unruhiger. Unsere eigenen vier Wände reagieren darauf mit einer Gegenbewegung, die auf dem diesjährigen Salone del Mobile in Mailand spürbar war. Die Küche – längst das emotionale Herzstück jeder High-End-Immobilie – wandelt sich mehr und mehr vom funktionalen Arbeitsblock zum wohnlichen Designobjekt.
Wir haben mit den Wiener Einrichtungs-Experten Dominik und Susanne Petz nach ihrer Rückkehr aus der Design-Metropole gesprochen. Im Interview verrät das Ehepaar, warum wir jetzt „ovale“ Inseln brauchen, weshalb der Kühlschrank innen plötzlich dunkel wird und warum wahre Innovation heute oft unsichtbar bleibt.
In Mailand wurden gerade die Trends für 2026 gesetzt. Was war die größte Überraschung im Küchendesign?
Dominik Petz: Es klingt fast ein wenig simpel, aber: Alles wird rund. Die harten Kanten verschwinden und man merkt, dass das Zuhause sanfter wird, je eckiger die Welt draußen ist. Die Psychologie dahinter ist klar: Wir sehnen uns in unserem eigenen vier Wänden nach Wärme und Geborgenheit. Die Kücheninsel wird zwar kein komplettes Oval – da setzt Funktionalität und Technik mit Kochfeldern und Geschirrspülern Grenzen – aber die Möbel verlieren ihre harten Ecken. Es ist ein weniger radikales, ein weicheres Wohnen.

Spiegelt sich diese Sanftheit auch in der Farbwahl wider?
Susanne Petz: Definitiv. Knallige, poppige Farben sind momentan überhaupt kein Thema. Wir sehen eine Bewegung hin zu gedeckten Pastelltönen. Es ist sehr ähnlich wie in der Mode: dezent, edel und zeitlos.
Bei den Arbeitsplatten gab es in den letzten Jahren und Jahrzehnten ja auch verschiedenste Trends. Was ist heute angesagt?
Dominik Petz: Wir sehen zwei parallele Bewegungen: Einerseits den extrem hochwertigen Naturstein, der seine Echtheit zeigt. Andererseits technologisch hochgerüstete Werkstoffe wie extrem dünne Keramiken. Diese sind mittlerweile so ausgereift, dass sie Temperaturunterschiede perfekt abfangen. Nur so funktionieren auch die neuen, völlig integrierten Induktionsfelder, bei denen man das Kochfeld auf der Platte gar nicht mehr sieht.
Apropos Technik: Gibt es Innovationen, die man wirklich gesehen haben muss?
Susanne Petz: Gaggenau hat eine optisch faszinierende Neuerung bei Kühlschränken präsentiert. Wenn man sie öffnet, ist das Innere nicht mehr weiß oder aus Edelstahl, sondern dunkel. Das Ganze ist mit einer „Theaterbeleuchtung“ inszeniert: Das Licht dimmt langsam hoch und beleuchtet gezielt die Lebensmittel, nicht den Kühlschrank selbst. Das ist High-End-Ästhetik pur.
Dominik Petz: Eine wahre gestalterische Sensation ist für mich die neue Insel „XILA“ von Piero Lissoni für Boffi. Bisher war eine Insel immer ein geschlossener Block, weil irgendwo die Technik und der Abfluss in den Boden mussten. Lissoni hat es geschafft, die Insel unten frei und schwebend zu gestalten. Man kann quasi den Hund darunter durchschicken, obwohl oben Wasser und Herd integriert sind. Das wirkt unheimlich luftig und elegant.
Oft wird diskutiert, ob die Küche wieder ein eigener, geschlossener Raum wird, um Gerüche zu vermeiden. Wie sehen Sie das?
Dominik Petz: Diesen Trend sehe ich überhaupt nicht. Kochen ist ein Gemeinschaftserlebnis mit Freunden und der Familie. Was wir aber im Luxussegment stark sehen, sind natürlich sogenannte „Schmutzküchen“. Das heißt, es gibt einen repräsentativen Teil und einen funktionalen Arbeitsbereich dahinter. Ein Mittelweg sind verschließbare Küchenzeilen: Man hat hinten die Spüle und die Geräte, macht aber nach dem Kochen einfach die eleganten Hochschranktüren zu und die Küche verschwindet optisch im Wohnraum – das ist immer mehr im Kommen.
Wie steht es um das Material Holz in der modernen Küche?
Susanne Petz: Bei Marken wie Boffi wird Holz sehr gezielt als Kombinationselement eingesetzt, oft um die Verbindung zum Wohnraum und zum Parkettboden zu schaffen. Aber eine reine „Vollholz-Öko-Küche“ mit Holzarbeitsplatte, wie man sie von früher kennt, ist komplett verschwunden. In der modernen Planung setzen wir eher auf einen Mix aus Stein, Metall und Lack.
Stichwort Vorratskammer: In modernen Loft-Wohnungen scheint die klassische „Speis“ fast ausgestorben zu sein. Ist das ein Fehler?
Dominik Petz: Man muss ehrlich sein: Die Speis von früher, dieser gemauerte, dunkle Raum mit fünf Grad Temperatur, funktioniert in modernen, offen gestalteten und voll klimatisierten Wohnungen baulich oft nicht mehr. Aber der Bedarf an Stauraum ist geblieben. Deshalb bieten wir heute Lösungen an, die den Zusatznutzen einer Speis direkt in die Küchenarchitektur integrieren.
Wie sieht so eine moderne Lösung konkret aus?
Susanne Petz: Bei Herstellern wie Boffi gibt es zum Beispiel vertiefte Ecklösungen oder Hochschrank-Systeme mit „Pocket-Doors“. Das sind Türen, die man öffnet und seitlich im Korpus verschwinden lässt. Dahinter verbirgt sich kein einfaches Regal, sondern ein kleines, begehbares „Kubik“, in dem man Vorräte organisieren kann. Es ist funktional, sieht schick aus und sorgt dafür, dass die offene Design-Küche im Wohnbereich immer aufgeräumt wirkt. Man braucht keinen extra Raum, man braucht nur eine smarte Planung.

Sie planen ja sehr viele High-End-Wohnungen. Gibt es klassische Fehler, die Sie immer wieder sehen?
Dominik Petz: Es scheitert oft am Grundriss. Wir sehen oft Wohnungen, die zwar ein Vermögen kosten, aber nicht smart geplant sind. Oft wird nur überlegt, wie viele Einheiten man in ein Gebäude quetschen kann, aber nicht: Wie lebt ein Mensch darin? Das betrifft natürlich nicht nur die Küche, aber auch.
Zum Abschluss: Was ist 2026 endgültig „out“?
Susanne Petz: Griffe! In hochwertigen Küchen sieht man sie eigentlich gar nicht mehr. Und auch der Dunstabzug, der massiv von oben über dem Herd hängt, ist ein sterbendes Bauteil. Das ist heute fast alles in das Kochfeld integriert. Was ebenfalls weg ist, ist der sehr rustikale Öko-Look wie vorhin schon gesagt. Dass alles in Holz ist. Nachhaltigkeit ist zwar ein riesiges Thema in der Produktion, aber die Ästhetik ist heute edel, reduziert und technologisch anspruchsvoll.
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