Nach Jahren voller Beige, Greige und zurückhaltender Naturtöne darf es im Interior wieder etwas mehr Tiefe sein. Aubergine gehört zu den spannendsten Farben des Herbstes: elegant, warm, charakterstark – und überraschend vielseitig. Interior-Spezialistin Stefanie Winter erklärt, wie man Aubergine richtig kombiniert, wo die Farbe besonders gut funktioniert und warum dafür keineswegs das ganze Zuhause neu eingerichtet werden muss.
Warum Aubergine gerade zur Trendfarbe im Interior wird
„Wir kommen gerade aus einigen Jahren, in denen sehr ruhige Naturtöne unsere Räume stark geprägt haben“, sagt Stefanie Winter. Diese Farben würden auch bleiben – gleichzeitig wachse aber wieder die Lust auf mehr Persönlichkeit.
Genau hier kommt Aubergine ins Spiel. Der Farbton bewegt sich zwischen Violett, Bordeaux und Braun und wirkt dadurch deutlich wärmer und erwachsener als klassisches Lila. Selbst kleine Akzente können einer neutralen Einrichtung sofort mehr Tiefe verleihen. „Wir wollen nicht unbedingt mehr Dinge in unseren Räumen. Aber wir wollen wieder mehr Charakter“, bringt Winter den Trend auf den Punkt. Dass Aubergine aktuell weit über Social Media hinaus präsent ist, zeigt sich auch in den neuen Farbwelten: Tiefe Pflaumen-, Burgunder- und Auberginetöne spielen im Interior Design derzeit eine immer größere Rolle.
Welche Farben passen zu Aubergine?
Besonders harmonisch wirkt Aubergine mit warmen neutralen Tönen wie Creme, Beige, Sand oder Greige. Sie geben der kräftigen Farbe Luft und verhindern, dass ein Raum zu dunkel oder schwer wirkt.
Wer mutiger kombinieren möchte, kann zu Ocker, Senfgelb oder warmem Olivgrün greifen. Sehr elegant findet Winter außerdem die Verbindung mit pudrigem, leicht gedecktem Rosa. Entscheidend sei dabei weniger die Frage, welche Farbe theoretisch zu Aubergine passt. „Welche Stimmung möchte ich erzeugen? Genau danach würde ich die zweite Farbe auswählen.“
Gerade in bereits bestehenden Wohnungen ist der Farbtrend deshalb leicht umzusetzen. Ein cremefarbenes Sofa, heller Teppich und Naturholz können etwa durch einen einzelnen auberginefarbenen Sessel plötzlich eine ganz neue Wirkung bekommen.



Aubergine dekorieren, ohne dass der Raum zu dunkel wirkt
Bei kräftigen Farben gilt: Weniger kann durchaus mehr sein. Ein Samtkissen, ein Plaid, eine Vase, ein Kunstwerk oder ein einzelner Sessel reichen oft schon aus.
„Wenn eine Farbe so viel Tiefe hat, braucht sie nicht zehn Wiederholungen im Raum“, sagt Winter. Statt viele kleine Accessoires in derselben Farbe zu verteilen, empfiehlt sie einen klar gesetzten Akzent. Gerade in hellen Räumen kann ein dunkles Element sogar dafür sorgen, dass Creme, Beige oder Weiß noch stärker zur Geltung kommen.

Aubergine als Wandfarbe: Akzent oder ganzer Raum?
Wer etwas mutiger ist, kann Aubergine auch großflächig einsetzen. Besonders gut kann der Ton in Esszimmern, Schlafzimmern, Bibliotheken oder kleineren Räumen funktionieren.
Dabei müsse man sich nicht automatisch auf die klassische einzelne Akzentwand beschränken. Auch mehrere Wandflächen oder ein bewusstes „Color Drenching“ können ein starkes, beinahe cocoonartiges Raumgefühl erzeugen.
„Eine dunkle Farbe macht einen Raum nicht automatisch schlechter oder zu klein. Sie verändert seine Wirkung“, erklärt Winter. Entscheidend sind dabei Licht, Raumgröße, Boden und bestehende Möbel. Statt sich zu fragen, ob ein Zimmer groß genug für Aubergine sei, empfiehlt die Interior-Spezialistin deshalb eine andere Frage: „Wie soll sich dieser Raum anfühlen?“
Welche Materialien passen zur Trendfarbe?
Auch die Wahl der Materialien beeinflusst die Wirkung der Farbe stark. Dunkles Holz oder Nussbaum lassen Aubergine besonders warm und hochwertig erscheinen. Samt verstärkt die Tiefe des Tons zusätzlich.
Heller Naturstein wie Travertin oder Marmor kann dagegen einen ruhigen, modernen Kontrast schaffen. Bei Metallen empfiehlt Winter eher warme Nuancen wie Messing, Bronze oder gealtertes Metall.
Denn ein Raum werde nie ausschließlich über Farbe wahrgenommen: „Holz, Stein, Samt oder Leinen verändern ganz wesentlich, wie wir eine Farbe erleben.“
So wirkt Aubergine modern statt schwer
Aubergine bringt von Natur aus eine gewisse Opulenz mit. Wer dazu schwere Vorhänge, Samt, dunkles Holz, Messing und klassische Teppiche kombiniert, bekommt einen sehr üppigen, atmosphärischen Look.
Modern wird die Farbe dagegen durch Kontraste: klare Formen, heller Stein, Creme, zeitgenössische Kunst und freie Flächen.
Besonders spannend findet Winter die Mischung unterschiedlicher Stile. Ein altes Möbelstück vor einer auberginefarbenen Wand könne etwa hervorragend neben einer sehr reduzierten modernen Leuchte bestehen. „Es muss nicht alles zusammenpassen. Es muss zusammen funktionieren.“
Drei einfache Ideen für Aubergine im Zuhause
Wer die Trendfarbe ausprobieren möchte, muss weder renovieren noch neue Möbel kaufen. Winter empfiehlt drei einfache Einstiege: Textilien wie Kissen, Plaids oder Bettwäsche, ein einzelnes größeres Accessoire wie Vase, Leuchte oder Kunstwerk – oder Farbe an einer kleinen, bewusst gewählten Stelle. Das kann beispielsweise eine Nische, eine Tür, ein Einbaumöbel oder das Gäste-WC sein.
Am wichtigsten sei jedoch, Trends nicht einfach zu kopieren. „Nicht Aubergine ins Zuhause holen, weil Aubergine gerade Trend ist. Sondern ausprobieren, ob diese Farbe etwas mit dem eigenen Raum macht.“ Denn genau darin liegt für Winter gutes Interior Design: Ein Zuhause wird nicht persönlicher, indem es jeden Trend mitmacht – sondern indem man aus Trends nur jene Ideen übernimmt, die wirklich zum eigenen Leben passen.
Unsere Expertin

Stefanie Winter ist Inhaberin von S.TEFANIE. interior.studio. Für die Grazerin bedeutet Wohnen der sichtbar gewordene Ausdruck unserer Persönlichkeit. Sie entwickelt Räume, die Klarheit schaffen, Geschichten erzählen und Menschen dabei unterstützen, sich in ihrem Zuhause wirklich angekommen zu fühlen. Mit viel Gespür für Farben, Materialien und Atmosphäre verwandelt sie Häuser und Wohnungen in Lieblingsorte mit Charakter.
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