Lange galten Tapeten als Relikt aus Omas Wohnzimmer, seit ein paar Jahren erleben sie ein beeindruckendes Revival. Moderne Materialien, außergewöhnliche Designs und spannende Strukturen machen sie wieder zu einem beliebten Gestaltungselement. Interior Designerin Stefanie Winter verrät, worauf es bei Auswahl, Verarbeitung und Gestaltung ankommt.
In den 1960er- und 1970er-Jahren gehörten Tapeten zur Standardausstattung vieler Wohnungen und Häuser. Nachdem sie danach als altmodisch wahrgenommen wurden, feiern sie jetzt ihr großes Comeback. Verantwortlich dafür sind moderne Materialien, hochwertige Oberflächen und zeitgemäße Designs, die mit den Mustern vergangener Jahrzehnte kaum noch vergleichbar sind.
„Das Schwere des Alten, das Altmodische, das ist einfach nicht mehr vorhanden“, erklärt Stefanie Winter, die in Graz das „S.tefanie. interior.studio“ für Premium Interior Design betreibt. „Die Tapeten von heute sind viel leichter, moderner und individueller geworden.“ Besonders gefragt seien strukturierte Oberflächen in Leinen-, Lehm- oder Mineraloptik, die Räumen Tiefe und Wärme verleihen.
Welche Tapete ist die richtige?
Die Wahl der passenden Tapete hängt vor allem von der Persönlichkeit der Bewohner und vom gewünschten Wohnstil ab. Wer mutig und experimentierfreudig ist, kann zu auffälligen Mustern greifen. Wer sich langsam an das Thema herantasten möchte, ist mit dezenten geometrischen Mustern oder sanften Farbverläufen gut beraten. „Wenn ich ein extrovertierter Mensch bin, werde ich immer zu etwas Auffälligerem greifen“, sagt Winter. „Wer vorsichtig beginnen möchte, sollte eher auf dezente Formen und Muster setzen.“
Welche Unterschiede gibt es bei Tapeten?
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen diesen Typen:
Vliestapeten
Vliestapeten gelten heute als besonders beliebt. Sie sind robust, einfach zu verarbeiten und lassen sich später meist rückstandslos entfernen. „Die Vliestapeten sind für mich die zeitgemäßesten und angenehmsten. Sie strahlen mehr Tiefe aus und lassen sich wieder leicht entfernen“, so Winter.
Papiertapeten
Papiertapeten sind die günstigste Variante, die wir auch aus den 1970er Jahren kennen. Sie benötigen eine Weichzeit und gute Kenntnisse beim Tapezieren, zudem reagieren sie empfindlicher auf Feuchtigkeit und Knicke. Auch ein Nachteil: Sie sind sehr schwer zu entfernen.
Vinyltapeten
Vinyltapeten sind besonders strapazierfähig, wasserabweisend und daher gut für stärker beanspruchte Räume geeignet.
Fototapeten
Fototapeten sorgen für starke optische Effekte und können Räume völlig verändern. Allerdings sind sie Geschmackssache und sollten gezielt eingesetzt werden.
Welche Tapete eignet sich für Küche, Bad, Wohn- oder Schlafzimmer?
Im Wohn- und Schlafzimmer sorgen strukturierte Vliestapeten für Gemütlichkeit und eine hochwertige Wirkung. Für Feuchträume eignen sich spezielle wasserbeständige Tapeten.
Besonders gerne setzt Stefanie Winter Tapeten im Gäste-WC ein: „Das WC ist für mich ein eindeutiger Tapetenraum. Dort kann man mutig sein und mit auffälligen Mustern experimentieren. Und gerade für Menschen, die sich gerade erst an das Tapetenthema heranwagen wollen, ist das WC perfekt.“
Welche Tapeten sind aktuell modern?
Aktuell liegen natürliche Strukturen, Leinen- und Lehmoptiken, florale Muster, dezente Geometrien sowie hochwertige Textur-Tapeten im Trend. Gefragt sind vor allem Designs, die Tiefe erzeugen und Räume wohnlicher wirken lassen.

Welche Tapete passt zu meinem Einrichtungsstil?
Tapeten sollten immer Teil eines Gesamtkonzepts sein. Farben und Muster sollten sich im Raum mehrfach wiederfinden – etwa bei Kissen, Decken, Vasen oder Vorhängen. „Die Tapete darf nie für sich allein stehen. Ich hole Farben immer wieder in den Raum zurück“, erklärt Winter. Ihr Tipp: „Nehmen Sie sich eine Farbe der Tapete heraus und streichen die Decke in dieser Farbe“. Auch umgekehrt funktioniert dieser Tipp – beispielsweise kann man auch die Decke im Flur tapezieren und die Wände in einer Farbe streichen, die sich auch in der Tapete wiederfindet.
Welche Farben, Muster oder Designs lassen Räume größer, heller oder gemütlicher wirken?
Helle Farben und feine Muster lassen Räume größer erscheinen. Warme Farbtöne und strukturierte Oberflächen schaffen hingegen Gemütlichkeit und Wohnlichkeit.
Wie setze ich eine Akzentwand richtig ein?
Eine einzelne Tapetenwand hinter Sofa oder Bett kann einen starken Blickfang schaffen. Besonders harmonisch wirkt sie, wenn die Farben an anderer Stelle im Raum wieder aufgenommen werden.
Wie tapeziere ich richtig?
Beim Tapezieren sind sorgfältige Vorbereitung und exaktes Arbeiten entscheidend. „Besonders bei gemusterten Tapeten muss darauf geachtet werden, dass die Muster exakt aneinander anschließen“, so Winter.
Wie bereite ich die Wand für eine Tapete vor?
Die Wand sollte trocken, sauber, tragfähig und möglichst glatt sein. Alte Kleisterreste, lose Farbschichten und Unebenheiten sollten vor dem Tapezieren entfernt beziehungsweise ausgebessert werden.
Welchen Kleister brauche ich zum Tapezieren?
Der Kleister richtet sich nach der Tapetenart. Für Vliestapeten gibt es spezielle Vlieskleister, während Papiertapeten meist klassische Tapetenkleister benötigen.
Kann ich auf bestehende Tapeten tapezieren?
Grundsätzlich ist das möglich, wird von Fachleuten jedoch meist nicht empfohlen. Ein tragfähiger, glatter Untergrund sorgt für deutlich bessere Ergebnisse.
Wie viele Rollen Tapete benötige ich?
Die benötigte Menge hängt von Raumhöhe, Wandfläche und Musterrapport ab. „Bei gemusterten Tapeten sollte immer ausreichend Verschnitt eingeplant werden“, erklärt Winter.
Wie berechne ich meinen Tapetenbedarf?
Zunächst werden Breite und Höhe der zu tapezierenden Wand gemessen. Daraus ergibt sich die benötigte Anzahl der Bahnen. Stefanie Winter empfiehlt großzügig zu kalkulieren: „Bei vielen Tapeten wiederholt sich das Muster etwa alle 70 Zentimeter. Diesen Rapport muss man bei der Berechnung berücksichtigen. Meist steht er auf der Tapetenrolle.“ Tipp: Zur Wandhöhe mindestens einen Rapport dazurechnen, damit sind Sie im sicheren Bereich.
Welche Maße haben Tapetenrollen und Bahnen?
Standardrollen sind meist 53 Zentimeter breit und etwa 10 Meter lang. Es gibt jedoch auch Sonderformate und maßgefertigte Varianten.
Wie reinige ich Tapeten?
Die Reinigungsmöglichkeiten hängen vom Material ab. Viele moderne Vlies- und Vinyltapeten lassen sich vorsichtig mit einem feuchten Tuch reinigen. Papiertapeten sind hier stark im Nachteil – sie lassen sich nicht reinigen.
Kann man Tapeten streichen oder überstreichen?
Einige Tapetenarten können problemlos überstrichen werden. Besonders Rauhfaser- und bestimmte Vliestapeten eignen sich dafür.
Tipp zum Schluss: Wer erstmals mit Tapeten arbeitet, sollte laut Stefanie Winter nicht gleich das gesamte Wohnzimmer gestalten. Ihr Rat: „Fangen Sie mit dem WC an und schauen Sie, ob Ihnen Tapeten überhaupt gefallen. Danach kann man sich an größere Räume heranwagen.“

Unsere Expertin

Für die Grazerin bedeutet Wohnen der sichtbar gewordene Ausdruck unserer Persönlichkeit. Sie entwickelt Räume, die Klarheit schaffen, Geschichten erzählen und Menschen dabei unterstützen, sich in ihrem Zuhause wirklich angekommen zu fühlen. Mit viel Gespür für Farben, Materialien und Atmosphäre verwandelt sie Häuser und Wohnungen in Lieblingsorte mit Charakter.
Website: www.stefanie.studio
Instagram: @s.tefanie.interior.studio
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