3D-Druck trifft auf heimisches Holz, neue Technologie auf regionales Handwerk: Mit steiraFORM hat Christian Krammer eine junge Leuchtenmarke gegründet, die bewusst klein, regional und persönlich bleiben will. Ein Gespräch über gutes Licht, ehrliche Produkte und die Frage, warum Atmosphäre oft nicht mehr, sondern besser gesetztes Licht braucht.
Es begann mit einem Gedanken, der Christian Krammer nicht mehr losließ: Eine Lampe müsste man doch auch selbst machen können. Ein unbeschäftigter 3D-Drucker tat sein Übriges – und aus ersten Versuchen entstand Schritt für Schritt steiraFORM, eine junge Leuchtenmanufaktur aus der Steiermark. Die Lampenschirme werden aus recyceltem PETG eines österreichischen Herstellers gefertigt, die Holzsockel entstehen in Zusammenarbeit mit einer kleinen Manufaktur in Preding. Ein Gespräch über neue Technologie und klassisches Handwerk.
Herr Krammer, wie wurde aus der Idee, selbst eine Lampe zu bauen, tatsächlich eine Marke?
Am Anfang war es wirklich nur ein Gedanke, der mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Mein 3D-Drucker hat noch auf eine konkrete Anwendung gewartet, also habe ich recherchiert und ausprobiert: Wie lässt sich PETG einsetzen, damit schönes Licht entsteht? Welche Proportionen braucht es? Es folgten viele Stunden am Computer, am Drucker und gemeinsam mit dem Tischler. Irgendwann stand eine Lampe vor mir, bei der ich dachte: Jetzt ist es stimmig. Aus diesem Produkt ist dann nach und nach steiraFORM entstanden.
Was wollten Sie anders machen als bei vielen bestehenden Leuchten?
Mir waren vor allem Regionalität und Persönlichkeit wichtig. Früher bin ich in ein Möbelhaus gegangen und habe eine Lampe ausgesucht, ohne groß darüber nachzudenken, woher sie kommt oder wer sie gemacht hat. Heute interessiert mich genau das.
Deshalb versuche ich, möglichst viel aus der Region zu beziehen und mit kleinen Betrieben zusammenzuarbeiten. Für die Schirme verwende ich recyceltes PETG aus Österreich, das Holz stammt aus der Region. Die Herkunft soll nachvollziehbar bleiben.
3D-Druck und Holz wirken zunächst wie Gegensätze. Was reizt Sie daran?
Gerade dieser Kontrast. PETG ist ein technischer Werkstoff, der sehr präzise verarbeitet werden kann. Gleichzeitig entsteht durch den 3D-Druck eine sichtbare Schichtstruktur, die bei meinen Lampen bewusst Teil des Designs ist.
Holz ist genau das Gegenteil: warm, gewachsen, individuell und stark von Handarbeit geprägt. Es nimmt dem technischen Material etwas von seiner Strenge. Die beiden Materialien sind sehr unterschiedlich – und ergänzen sich gerade deshalb gut.
Wann ist eine Leuchte für Sie wirklich gut?
Für mich muss sie zweimal funktionieren: eingeschaltet und ausgeschaltet. Eine gute Leuchte sollte einen Raum nicht dominieren, sondern seinen Charakter unterstützen – durch ihre Form ebenso wie durch das Licht.
Natürlich muss Beleuchtung in Küche oder Arbeitsbereich funktional sein. Aber auch dort sollte sie nicht wie ein Fremdkörper wirken. Mehr als eine reine Lichtquelle wird eine Leuchte für mich dann, wenn sie Teil der Atmosphäre eines Raumes wird – wenn man sie nicht nur braucht, sondern gerne um sich hat.
Wie stark kann Licht die Wirkung eines Raumes verändern?
Enorm. Licht kann Materialien und Farben hervorheben und einen Raum wärmer, ruhiger oder auch klarer wirken lassen, ohne dass man ein einziges Möbelstück verschiebt.
Bei meinen Tisch- und Akkulampen lassen sich deshalb auch die Schirme wechseln. Ein klarer Schirm erzeugt eine ruhigere Wirkung, Amber macht das Licht deutlich wärmer und behaglicher. Für mich ist Licht deshalb fast eine zusätzliche Gestaltungsebene im Raum.
Gerade Akkuleuchten erleben derzeit einen Boom. Warum funktionieren sie so gut?
Weil wir nicht mehr an Steckdosen gebunden sind. Licht kann genau dort stehen, wo man es gerade braucht. MeineAkkulampe ist beispielsweise aus einer Zusammenarbeit mit dem Hotel-Restaurant Stainzerhof entstanden. Gesucht war eine mobile Leuchte für draußen – kabellos und robust, aber trotzdem klar als steiraFORM erkennbar. Heute kann sie genauso gut am Esstisch stehen und später mit auf die Terrasse wandern. Gerade am Abend braucht man oft gar kein helles Raumlicht mehr, sondern kleine, warme Lichtinseln.
Was machen wir beim Licht zu Hause am häufigsten falsch?
Wir erwarten zu viel von einer einzigen Lichtquelle. Ein helles Deckenlicht kann praktisch sein, schafft aber selten Atmosphäre. Meist wird ein Raum schon angenehmer, wenn mehrere kleinere Lichtquellen verteilt werden. Mein einfachster Tipp wäre deshalb: nicht automatisch mehr Licht machen, sondern Licht bewusster setzen. Oft genügt eine kleine zusätzliche Leuchte an der richtigen Stelle, und ein Raum wirkt sofort wärmer und wohnlicher.
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