In vielen österreichischen Familien ist Allerheiligen ohne Striezel genau so wenig vorstellbar wie Weihnachten ohne Baum. Das liegt aber nicht nur daran, dass das Germgebäck gut schmeckt – es ist auch eine liebgewordene und seit Jahrhunderten gepflegte Tradition.
Seit wann gibt es Allerheiligenstriezel?
Zum Frühstück, zur Jause nach dem Friedhofsbesuch, als Mitbringsel beim Verwandtenbesuch – der Allerheiligenstriezel, der typischerweise aus drei, vier oder sechs Teigsträngen geflochten wird, darf in vielen Haushalten am 1. November nicht fehlen. Ursprünglich wurde das süße Germgebäck auf die Gräber der Verstorbenen gelegt, damit diese zu Allerseelen mit Essen versorgt waren. Später wurden Allerheiligenstriezel, in Westösterreich Allerheiligenzöpfe genannt, am 1. November stellvertretend für die Verstorbenen an Arme verteilt. Im Gegenzug sollten die Beschenkten für die Verstorbenen beten.
Ab dem 18. Jahrhundert wurden die Striezel, übrigens häufig ein Briocheteig, auch an Familienmitglieder oder von den Paten an ihre Patenkinder verschenkt – ein Brauch, der sich in einigen Regionen Österreichs nach wie vor hält. Zum einen soll der Striezel dem Patenkind Glück bringen, zum anderen die Beziehung zwischen Geber und Beschenktem stärken. Übrigens: Der vermutlich erste Hinweis von Striezel stammt aus dem „Nachrichtenbuech“ (1699) aus Saxen, Oberösterreich, in dem das Gebäck als „Heiligenstriezel“ bezeichnet wird
Welche Bedeutung hat die Form des Allerheiligenstriezels?
Bereits im alten Ägypten, schnitten sich Frauen und Mädchen bei einem Todesfall in der Familie als Zeichen der Trauer ihre langen, zu einem Zopf geflochtenen Haare ab. Des öfteren wurde dieser Zopf dann auch dem Verstorbenen mit ins Grab gegeben. Im Laufe der Zeit wurden nicht mehr Haare, sondern Gebäck in dieser Form geopfert. Griechen, Römer, Germanen oder Kelten wiederum gingen davon aus, dass Geflochtenes, und somit auch ein Zopf, Glück, Segen, Fruchtbarkeit und Kraft bringen sollte.

Rezepte Allerheiligenstriezel
Allerheiligenstriezel aus Briocheteig (nach Oma Susi)
Zutaten für einen Striezel:
190g lauwarme Milch
90g Butter
500 g glattes Mehl
7g Salz
75g Feinkristallzucker
10g Rum
2 Dotter
1 Würfel Germ
1 Ei zum Bestreichen, Hagelzucker zum Bestreuen
Zubereitung:
Milch und Butter leicht erwärmen, anschließend die restlichen Zutaten untermischen – Germ dabei zerbröseln. Solange kneten, bis der Teig glatt ist und sich vom Rand der Schüssel löst. Teig mit einem Tuch abdecken und ca. 20 Minuten gehen lassen. Anschließend den Teig in drei gleich große Teile teilen, diese zu drei Strängen formen und daraus einem Striezel flechten. Den Striezel abdecken und noch einmal etwa 20 Minuten gehen lassen. Backofen auf 170 Grad Umluft vorheizen, Striezel mit dem verquirlten Ei bestreichen und mit Hagelzucker bestreuen. Danach den Striezel auf mittlerer Schiene zirka 40 bis 45 Minuten backen.
Allerheiligenstriezel mit Rosinen (Quelle: Finis Feinstes)
Zutaten für 2 kleine Striezel
200ml lauwarme Milch
½ Teelöffel Salz
50g Feinkristallzucker
1 Pckg. Vanillezucker
abgeriebene Schale von ½ Bio-Zitrone
2 Dotter
1 Würfel Germ
500 g Finis Feinstes Mehl glatt
100g weiche Butter
40g Rosinen (ev. zuvor in Rum eingeweicht)
1 Ei zum Bestreichen
Zubereitung:
Die Milch erwärmen. Zirka die Hälfte der erwärmten Milch mit Salz, Kristallzucker, Vanillezucker, Zitronenschale und Eidotter gut verrühren. Germ zerbröseln und in der übrigen Milch unter Rühren auflösen. Mehl sieben und mit den beiden Milchmischungen zu einem glatten Teig abschlagen (Knethaken). Butter und Rosinen zugeben und in den Teig kneten. Der Teig ist fertig, wenn er sich beim Kneten locker vom Schüsselrand lösen lässt.
Anschließend den Teig mit einem Tuch zugedeckt bei Zimmertemperatur ca. 1 Stunde gehen lassen bis sich das Volumen in etwa verdoppelt hat. Den Teig nochmals durchkneten, in sechs gleich große Stücke teilen und zu Strängen formen. Jeweils drei Stränge zu einem Zopf flechten. Die Teigenden werden unter den Boden des Zopfs gelegt und leicht festgedrückt.
Die Zöpfe auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen, mit einem Tuch abdecken und nochmals etwa 30 Minuten gehen lassen. Mit dem verquirlten Ei bestreichen und im vorgeheizten Backrohr auf mittlerer Schiene bei 170 °C etwa 30 Minuten goldbraun backen. Vor dem Servieren ev. mit Staubzucker bestreuen.
Welche Traditionen gibt es noch zu Allerheiligen?
Zu den zu Allerheiligen gepflegten Traditionen gehören neben dem Backen, Essen und Verschenken des Allerheiligenzopfes weiters das Schmücken der Gräber, Gräbersegnungen, das Entzünden von Kerzen und der Friedhofsbesuch sowie Kranzniederlegungen an den Kriegerdenkmälern. In manchen Orten wie etwa in Vösendorf, steht auch eine Allerheiligenprozession auf dem Programm.
Was ist eigentlich Allerheiligen?
Der Festtag wurde ins Leben gerufen, um der Heiligen und Märtyrer in der christlichen Kirche zu gedenken. Im 4. Jahrhundert nach Christus wurde dieser jedes Jahr an ihren jeweiligen Sterbetagen gedacht, später gab es statt vieler nur noch einen Gedenktag – eben Allerheiligen. Ab dem Jahr 609 wurde dieser Tag am ersten Freitag nach Ostern gefeiert, seit dem neunten Jahrhundert wird das Fest aber am 1. November begangen.
Im späten zehnten Jahrhundert führte Abt Odilo von Cluny den 2. November als Gedenktag für alle gläubigen Verstorbenen ein. Im Laufe der Jahre sind beide Festtage verschmolzen – möglicherweise auch, weil Allerheiligen zu einem gesetzlichen Feiertag wurde. Damit sind Friedhofsbesuche und ähnliches an diesem Tag leichter einzuplanen als zu Allerseelen, bei dem es sich um einen ganz normalen Arbeitstag handelt.
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