Florenz wird gerne als „Museum unter freiem Himmel“ bezeichnet. Dabei hat die Stadt am Arno, die zwischen 1865 und 1871 Hauptstadt des neu gegründeten Königreichs Italien war, noch anderes zu bieten. Denn sie ruht sich nicht auf ihrem historischen Erbe, das jedes Jahr Millionen Besucher anzieht, aus.
Die Hauptstadt der Toskana ist aus vielen Gründen eine Reise wert: Liebhaber alter Kunst kommen dort genauso auf ihre Rechnung wie Freunde zeitgenössischer Kunst, Fashionistas und Gourmets. Besonders attraktiv ist die Tatsache, dass Florenz kein Museum, sondern eine lebendige Stadt ist. Sobald man auch nur ein zwei Straßen vom touristischen Trampelpfad abweicht, erlebt man Florenz von seiner wahren, echten Seite, kann Handwerkern bei der Arbeit zusehen, den Caffé gemeinsam mit Einheimischen in einer kleinen Bar genießen und italienisches Lebensgefühl inhalieren.
Architektur in Florenz
Florenz ist nicht umsonst als Wiege der Renaissance bekannt und wird gerne auch als „Museum unter freiem Himmel“ bezeichnet. Schließlich prägen zahlreiche Palazzi und Kirchen in diesem Baustil das Stadtbild und ziehen jedes Jahr Millionen von Besuchern in ihren Bann. Gravierende Bausünden wie in anderen Städten oft üblich, sind hier kaum zu finden.
Der Wohnungsmarkt
Florenz, vor allem die Altstadt, ist nicht unbedingt ein günstiges Pflaster. Viele Einheimische sind daher in die Viertel jenseits des Arno oder in die Umgebung ausgewichen. Immobiliare.it zufolge lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis im März bei 4.734 €/m². Mieter mussten mit 20,85 €/m² rechnen.
Die 3 berühmtesten Bauwerke in Florenz
Santa Maria del Fiore
Der Dom mit seiner riesigen Kuppel ist das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Der Grundstein wurde 1296 gelegt, die Einweihung erfolgte 1436 – mit Platz für 20.000 Gläubige war die Kathedrale damals die größte der Welt. Besondere Aufmerksamkeit verdient die von Filippo Brunelleschi entworfene Kuppel, die ein Meisterwerk der Renaissance-Architektur darstellt. Ebenfalls bemerkenswert sind der von Giotto entworfene Campanile sowie das Battisterio di San Giovanni. Die Taufkirche, die zwischen 1059und 1150 errichtet wurde, gehört zu den ältesten Bauwerken der Stadt.

Palazzo Pitti
Mit dem Bau des Palazzo Pitti wollte sich der Florentiner Bankier Luca Pitti nicht nur ein Denkmal setzen, sondern auch den Palast der Medici, den Palazzo Medici Riccardi, übertreffen. So ordnete er an, dass im Palazzo Pitti alle Fenster höher sein sollten als die Eingangstür im Medici-Palast. Nur acht Jahre nach Baubeginn, im Jahr 1465, war Pitti allerdings pleite, der Bau wurde unterbrochen. Nicht ganz ein Jahrhundert später, im Jahr 1549, erwarb die Familie Medici den Palazzo, ließ ihn erweitern und übersiedelte hierher. Heute sind in dem Gebäude, das drei Mal so groß ist wie der Originalbau, sechs Museen und Sammlungen untergebracht.
Erholung findet man nach der Besichtigung des Palazzo Pitti in den angrenzenden Boboli-Gärten, einer der schönsten Renaissance-Gartenanlagen.
Galleria degli Uffizi
Die Uffizien sind nicht nur eine der ältesten und umfangreichsten, sondern auch eine der meistbesuchten Kunstsammlungen der Welt. Neben Werken deutscher, flämischer, niederländischer und französischer Meister beherbergen die Uffizien vor allem auch Meisterwerke der italienischen Renaissance. Dazu gehören neben der „Geburt der Venus“ von Botticelli unter anderem „Die Verkündigung“ von Leonardo da Vinci oder Die Madonna mit dem Stieglitz, eines der frühesten Werke des jungen Raffael.
Mindestens genauso beeindruckend wie die Kunstsammlung, die auch Skulpturen und andere Objekte enthält, ist das U-förmige Gebäude selbst. Es wurde ab 1560 im Auftrag von Cosimo I Medici als Bürogebäude (Uffici) für die städtische Verwaltung nach Plänen von Giorgio Vasari errichtet. Für den Neubau wurde ein ganzes Stadtviertel abgerissen beziehungsweise in den Neubau integriert, wie etwa die romanische Kirche San Piero Scheraggio und die Münzprägewerkstatt Zecca. Für ein einheitliches Aussehen ließ Vasari vorgesetzte Fassaden vor den alten und neuen Gebäuden errichten. Der Bau wurde nach Vasaris Tod 1574 von Bernardo Buontalenti fertig gestellt. Dass sich hier nun eine der sehenswertesten Kunstsammlungen der Welt befindet, ist Francesco I., dem Sohn Cosimos, zu verdanken. Er ließ im oberen Stockwerk des Gebäudes Ausstellungsräume für die fürstliche Kunstsammlung einrichten.

Shoppen in Florenz
Kleidung, Schuhe, Taschen, aber auch Parfum, Kunsthandwerk und Antiquitäten – Florenz ist zum Einkaufen bestens geeignet. Natürlich sind in der Hauptstadt der Toskana wie in jeder Großstadt sowohl die bekannten, hochpreisigen Designermarken, die sich im Zentrum angesiedelt haben, sowie manch preisgünstige Ketten vertreten. Zum Glück gibt es aber immer noch viele kleine Einzelhändler, die Bekleidung und Co. abseits des Mainstreams anbieten. Eine gute Adresse für originelles Design und Kunsthandwerk ist Oltrarno, das Viertel jenseits des Arnos. Wer auf der Suche nach Antiquitäten ist, sollte sich ebenfalls hierher, konkret in die Via Maggio begeben. Aber auch auf der anderen Seite des Arno, im Borgo Ognissanti oder der Via de‘ Fossi, gibt es zahlreiche Antiquitätengeschäfte.
Nicht zu vergessen der Schmuck: Diesen gibt es nicht nur auf der dafür weltweit bekannten Ponte Vecchio, sondern auch in zahlreichen kleinen Schmuckwerkstätten zu kaufen.

Die 3 ausgefallensten Geschäfte in Florenz
Antica Farmacia Santa Maria Novella
Via della Scala 16
Ab 1221 verarbeiteten die Mönche des nahe gelegenen Dominikanerklosters Santa Maria Novella Heilpflanzen aus dem Klostergarten zu Essenzen und Tinkturen. Heute ist die Apotheke, die als älteste der Welt gilt, bekannt für ihre (Raum)Düfte, Duftkerzen, Gesichts-, Körper- und Haarpflege. Die Apotheke ist allerdings auch allein wegen ihrer antiken Einrichtung, dem Stuck und der Atmosphäre wegen einen Besuch wert.
Twisted Jazz Shop
Borgo San Frediano 21r
Jazz- und Bluesfreunde kommen hier voll auf ihre Rechnung. Auch seltene Aufnahmen sind in den bis unter die Decke reichenden Regalen versteckt.
Mrs Macis
Borgo Pinti 38r
Wer ausgefallene Mode liebt, ist hier an der richtigen Adresse: Carla Macis, eine ehemalige Designerin des florentinischen Modehauses Pucci, verarbeitet Stoffreste zu ausgefallenen Modellen.
Die 3 schönsten Märkte in Florenz
Mercato Centrale di Firenze
Via dell’Ariento
In der Markthalle im Viertel San Lorenzo kann man nicht nur Fisch, Gemüse, Obst, Fleisch, Pasta und viele andere Lebensmittel kaufen. Zahlreiche Stände im Erd- und Obergeschoß laden auch dazu ein, regionale Köstlichkeiten zu verkosten. Dass der aus Gusseisen und Glas errichtete und 1874 eröffnete Mercato Centrale Ähnlichkeiten mit der Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand aufweist, ist kein Zufall: Beide wurden vom italienischen Architekten Giuseppe Mengoni entworfen.
Mercato delle Cascine
Viale Lincoln
Ein Bummel über den Freiluftmarkt im gleichnamigen Park am Ufer des Arno ist definitiv ein Erlebnis. Auf etwa zwei Kilometer Länge bieten Händler jeden Dienstag Vormittag sowohl regionale Lebensmittel, sondern auch Haushaltsartikel, Kleidung und manches andere.
Mercato delle Pulci
Piazza Pietro Annigoni
Möbel, Bücher, Münzen, Schallplatten und vieles andere findet man auf diesem überdachten Flohmarkt – und das nahezu das ganze Jahr über. Denn der Flohmarkt, der früher auf der Piazza de‘ Ciompi beheimatet war, ist nur zu Weihnachten und Neujahr geschlossen.
Kulinarik & Genuss
Die traditionelle Küche der Toskana, und somit auch jene in Florenz, verleugnet ihre bäuerlichen Wurzeln nicht. Aus einfachen Zutaten wie Brot, Öl, Hülsenfrüchten und saisonalem Gemüse werden die köstlichsten Gerichte gezaubert, viele davon sind vegetarisch. Zu den bekanntesten Gerichten der Stadt der Medici gehören neben Brot- und Gemüsesuppen, Eintöpfe wie etwa die Ribollita oder die Panzanella, ein erfrischender Brotsalat.
Fleischtiger werden am Bistecca alla Fiorentina nicht vorbeikommen. Dieses folgt strengen Regeln: die Fiorentina muss zumindest vier Finger dick sein, die typische T-Form aufweisen und speziell aus der Lende geschnitten werden.
Aber probieren Sie nicht nur ein Bistecca – kosten Sie doch auch einmal Trippa alla Fiorentina. Dafür werden Kutteln in Streifen geschnitten und lange Zeit mit viel geröstetem Gemüse und Paradeisern geköchelt. Manche Rezepten zufolge werden die Kutteln vor dem Servieren mit reichlich Parmesan bestreut. Ebenfalls empfehlenswert ist Lampredotto, das von den Einheimischen gerne auf der Straße als Imbiss zwischendurch verzehrt wird. Dafür wird der Labmagen eines Rindes zerkleinert und gekocht, und entweder nur mit Salz und Pfeffer, oder aber auch mit Salsa verde oder etwas scharfem Öl gewürzt. Danach wird das Lampredotto in ein Semelle, ein typisch toskanisches Weckerl, gefüllt. Der Oberteil des Weckerls wird auf Wunsch in die Suppe, in der das Lampredotto köchelt, getaucht – so erhält der Imbiss noch mehr Aroma.
Schmausen in Florenz
Cestello
Piazza di Cestello, 8
Fisch und Meeresfrüchte werden hier modern und dennoch zeitlos interpretiert. Der Service ist unaufdringlich, die Atmosphäre angenehm – ganz besonders an warmen Abenden auf der Terrasse.
Ristorante Oliviero 1962
Via delle Terme, 51r
Auf der Karte des 1962 eröffneten Restaurants, in dem Federico Fellini, Marcello Mastroiani oder Sofia Loren zu Gast waren, stehen neben Spezialitäten aus der Toskana auch solche aus anderen italienischen Regionen auf der Karte. Besonderes Highlight: Pasta, Brot und Desserts sind nach wie vor hausgemacht.
Antico Ristoro Perditempo
Borgo San Jacopo, 48r
Mit Blick auf den Arno und die Ponte Vecchio kann man hier auch typische Gerichte der Toskana genießen – von Ribollita bis zu Trippa (Kutteln) alla Fiorentina – genießen. Wie die meisten Zutaten stammt auch der Wein aus der Region.
Eins steht jedenfalls fest: Florenz ist definitiv eine Reise wert. Aber Achtung: Die Stadt am Arno kann süchtig machen!
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