Immer wieder ist von Legionellen, die das Trinkwasser verseuchen, zu hören. Allein in Österreich sind im Vorjahr 419 Krankheitsfälle, die von den Bakterien ausgelöst wurden, gemeldet worden.
Was sind Legionellen und wie entstehen sie?
„Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien“, sagt Martin Taschl, Generalsekretär des Forum Wasserhygiene. Die Umweltkeime kommen von Natur aus in geringer Zahl im Wasser und in Feuchtmilieus wie feuchten Böden, Mischerde für Topfpflanzen, Humus und Kompost vor.
Wie gefährlich sind Legionellen im Haushalt?
Legionellen per se sind im Haushalt grundsätzlich nicht gefährlich. Zur Gefahr werden sie allerdings dann, wenn sie sich stark vermehren. Der Grenzwert in diesem Zusammenhang liegt laut EU-Trinkwasserrichtlinie bei 100 koloniebildenden Einheiten in 100 ml Wasser – ein Wert, der sich in Österreich schon längst etabliert hat.
Was viele nicht wissen: „Das Wasser kann selbst bei höherer Legionellenbelastung getrunken werden“, erklärt Taschl. Gelangen Legionellen nämlich in den Magen, werden sie dort durch die Magensäure zerstört. Gefährlich wird es hingegen überall dort, wo eine größere Menge fein zerstäubtes, vernebeltes Wasser eingeatmet wird. „Das ist beim Duschen, im Whirlpool oder beim Betrieb von Klimaanlagen und Luftbefeuchtern der Fall“, sagt der Wasserhygiene-Experte. Gelangen die Keime auf diesen Weg in die Lunge, können sie zwei Erkrankungen verursachen: Die Legionärskrankheit (Legionellose), eine Lungenentzündung, sowie das meist mild verlaufende Pontiac-Fieber.

Welche Symptome hat eine Legionellen-Infektion?
Die Legionellose (Legionärskrankheit) äußert sich in Brust- und Kopfschmerzen, Husten, Schüttelfrost und hohem Fieber. Gelegentlich treten Bauchschmerzen mit Durchfall und Erbrechen auf. Die Lungenentzündung verläuft häufig schwer und verläuft in Österreich trotz Verfügbarkeit wirksamer antibiotischer Behandlung in 10 bis 15 Prozent der Fälle tödlich.
Deutlich häufiger als die Legionellose tritt das erheblich ungefährlichere Pontiac-Fieber auf. Typische Symptome sind grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen, auch Brustschmerzen und Husten sind möglich. Die Erkrankung heilt typischerweise ohne ärztliche Behandlung innerhalb von zwei bis fünf Tagen aus.
Bei welcher Wassertemperatur vermehren sich Legionellen?
Am besten vermehren sich Legionellen bei Wassertemperaturen von 30 bis 45°C. „Letztere haben wir in unseren Trinkwasserinstallationen häufig“, sagt Taschl. Das liegt zum einen daran, dass die Temperatur am Heizkessel oder der Therme gedrosselt oder diese etwa während eines Urlaubs komplett abgeschaltet wird. Zum anderen können sich Kaltwasserleitungen bei Sommerhitze auf bis zu 29 Grad und auch mehr erwärmen. „Zu niedrige Warmwasser- und zu hohe Kaltwassertemperaturen sind die größten Risikofaktoren für die Vermehrung der Legionellen“, weiß Taschl. Potenziert wird die Gefahr, wenn das Wasser dann auch noch für längere Zeit in den Leitungen steht, also der Wasserhahn nicht aufgedreht wird.
Wie kann man Legionellen im Warmwassersystem vorbeugen?
Die beste Möglichkeit, um die Vermehrung von Legionellen zu verhindern, ist eine ausreichend hohe Temperatur bei Warmwasser. „Die Empfehlung geht von zumindest 55 Grad aus“, so Taschl. Wichtig ist, dass auch die Kaltwasserleitungen isoliert werden. Im Gegensatz zu den Warmwasserleitungen geht es bei den Kaltwasserleitungen nicht um die Energieeffizienz. So kann verhindert werden, dass sie sich zu sehr aufheizen. Als ideal gilt bei Kaltwasser eine Temperatur von unter 20 Grad, da sich bei dieser Legionellen nicht vermehren. Maximal 25 Grad sind in der Trinkwasserverordnung vorgesehen. Doch auch die beste Isolierung kann eine Erwärmung nicht verhindern, sondern nur verzögern. Daher müssen die Wasserleitungen in Häusern und Wohnungen auch regelmäßig genutzt werden. „Nach einer längeren Abwesenheit sollte man vor allem die Dusche für längere Zeit rinnen lassen – zuerst das Warm- und danach das Kaltwasser. Währenddessen sollte man aus dem Bad gehen und, sofern vorhanden, das Fenster öffnen“, rät Taschl. Luftbefeuchter und Klimaanlagen wiederum sollten regelmäßig gereinigt beziehungsweise gewartet werden.
Welche Gebäude und Wassersysteme sind besonders gefährdet?
Besonders gefährdet sind große Gebäude mit weit verzweigten Wasserleitungen – etwa Krankenhäuser, Altenheime, Schulen, Hotels, Wellnesseinrichtungen oder große Wohnanlagen. Aber auch in Einfamilienhäusern kann es unter Umständen dazu kommen, dass sich Legionellen in potenziell ungesundem Ausmaß vermehren.
Sind Legionellen in Mietwohnungen ein Problem des Mieters oder Vermieters?
Die Antwort auf diese Frage lautet: Das kommt darauf an. Denn laut Mietrecht ist für die Wasserleitung in der Wand der Vermieter zuständig, für die Nutzung des Wasserhahns grundsätzlich der Mieter. „Besonders schwierig wird es, wenn sich die Legionellen vermehrt haben, weil der Mieter nicht regelmäßig Wasser entnommen hat. Ist es an der Übergabestelle noch einwandfrei, kann der Vermieter nichts für die Verunreinigung“, sagt der Generalsekretär des Forums Wasserhygiene.
Wie oft muss eine Legionellenprüfung in Österreich durchgeführt werden?
Derzeit gibt es in Österreich noch keine allgemeine gesetzliche Pflicht, das Wasser auf Legionellen prüfen zu lassen. „Österreich hat die EU-Trinkwasserrichtlinie in diesem Punkt noch nicht umgesetzt, das wird sich bis 2029 ändern“, sagt Taschl. Vorerst werden somit verpflichtende Untersuchungen durch die Behörden noch per Bescheid festgelegt. „Dies passiert in der Regel allerdings nur bei Beherberungsbetrieben sowie bei Pflegeeinrichtungen und Krankenanstalten“, so Taschl. Bewohner von Wohngebäuden mit Ausnahme von einzelnen Wohnungen, Ein- und Zweifamilienhäusern müssen sich dennoch keine Sorgen über die Qualität ihres Wassers machen: Bereits seit Jahren sind auch da regelmäßige Überprüfungen auf Legionellen als Stand der Technik etabliert, die in Zeiträumen zwischen einem und vier Jahren erfolgen sollten. „Leider ist das aber nicht immer der Fall“, so Taschl.

Was tun, wenn Legionellen im Trinkwasser nachgewiesen werden?
Wird eine Legionellen-Erkrankung diagnostiziert, muss die Hausverwaltung, der Vermieter oder der Eigentümer informiert werden. Falls durch das Krankenhaus nicht ohnedies erfolgt, muss der Haushaltsvorstand auch die Behörden von der Erkrankung in Kenntnis setzen. Bis zur endgültigen Klärung sollte der Vermieter unbedingt auch alle anderen Mieter auf eine potenzielle Gefährdung durch Legionellen hinweisen.
Doch auch gegen die Bakterien wird vorgegangen: „Um sie abzutöten, werden die Leitungen mit heißem Wasser gespült. Dazu wird das Warmwasser nach Möglichkeit auf mindestens 70 °C aufgeheizt und jede Entnahmestelle gründlich gespült“, erklärt Taschl. Ist dies aus technischen Gründen nicht möglich, beispielsweise in Kaltwasserleitungen oder älteren Gebäuden, kommt Chemie zum Einsatz.
Erhöht sich das Legionellenrisiko im Sommer durch höhere Temperaturen?
Angesichts der immer wärmer werdenden Sommer steigt das Risiko, dass sich Kaltwasserleitungen auf Temperaturen erhöhen, die die Vermehrung von Legionellen fördern. „Aber auch die urlaubsbedingten längeren Abwesenheiten tragen dazu bei“, sagt Taschl.
Gut zu wissen
- In Österreich ist jeder Erkrankungs- und Todesfall meldepflichtig
- Ein erhöhtes Risiko haben insbesondere ältere Personen mit geschwächtem Immunsystem, mit chronischen Lungenerkrankungen sowie Raucher
- Insgesamt erkranken mehr Männer als Frauen an der Legionärskrankheit, vor allem ab dem 50. Lebensjahr
- Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich
- Derzeit sind über 60 Legionellen-Arten bekannt, von denen fast alle als krankheitserregend eingestuft werden. In Europa werden die meisten Legionellen-Erkrankungen durch die Legionella pneumophila der Serogruppe 1 hervorgerufen.
Legionellen vorbeugen: Unser Experte

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