Gegen jedes Wehwehchen ist ein Kraut gewachsen, lautet ein alter Spruch. Und er hat durchaus seine Berechtigung: Etwa 60.000 Pflanzenarten werden weltweit für medizinische Zwecke verwendet. Schon in der Jungsteinzeit setzten Menschen bei der Behandlung von Verletzungen und Krankheiten auf die Kraft der Heilpflanzen. Sie wurden als Umschläge verwendet, zu Tees, Salben, Extrakten und Arzneimitteln verarbeitet. Heilpflanzen helfen allerdings nicht nur bei diversen Beschwerden – viele von ihnen erfreuen auch das Auge und liefern überdies Nahrung für Insekten.
Welche Heilpflanzen kann man einfach zuhause anbauen?
Viele Heilpflanzen können selbst auf dem kleinsten Balkon oder im kleinsten Garten angebaut werden. Vor allem Heilkräuter wie Rosmarin, Thymian, Salbei, Dille, Estragon oder Bohnenkraut sind auch schon hier zu finden – meist liegt allerdings der Fokus auf ihrer Wirkung als Küchen- und nicht als Heilkraut.
Wie baut man Heilpflanzen richtig an?
Beim Anbau von Heilpflanzen kann man nicht viel falsch machen. Wichtigste Voraussetzung für gesunde Pflanzen ist der passende Standort. Ist dieser gefunden, kann es auch schon losgehen. Viele Heilpflanzen können einfach ausgesät werden, manche werden auch mit Stecklingen vermehrt. Bei anderen, wie beispielsweise dem Frauenmantel, reicht es, von einer bestehenden Pflanze ein Stück Wurzel abzuzwicken und dieses in den Boden zu legen. Aber natürlich gibt es so manche Heilpflanze auch als Jungpflanze in der Gärtnerei des Vertrauens zu kaufen – ideal für all jene, die beim Anbau von Heilpflanzen lieber nicht auf die DIY-Methode setzen. So manche Heilpflanze, wie etwa Ringelblumen oder Echinacea, säen sich auch von selbst aus. Damit sparen Sie sich in den Folgejahren den Anbau.
Welcher Standort eignet sich für Heilpflanzen?
Eine generelle Aussage, welcher Standort sich für Heilpflanzen eignet, kann man nicht treffen. Vielmehr gilt für Heilpflanzen die selbe Regel wie für alle anderen Pflanzen: Es kommt immer auf die Sorte an. Am besten, Sie informieren sich darüber, woher die Pflanze ursprünglich stammt und haben damit eine gute Orientierung.
Wie pflegt man Heilpflanzen richtig?
Auch da gilt: Der Pflegebedarf richtet sich nach der Art der jeweiligen Heilpflanze. In der Regel sind jene Heilpflanzen, die bei uns am beliebtesten sind, jedoch relativ genügsam – sowohl in Hinblick auf Dünger als auch Wasserbedarf.
Fünf Heilpflanzen, die Sie kennen sollten
Echter Lavendel:
Der aus dem Süden stammende Halbstrauch ist immer öfter in Gärten und auf Balkonen zu finden. Bekannt ist vor allem die beruhigende Wirkung des Lavendelduftes: Bei Ein- und Durchschlafproblemen hilft es, ein Säckchen, gefüllt mit den getrockneten Blüten unter den Kopfpolster zu legen. Alternativ können auch ein paar Tropfen Lavendelöl auf diesen oder ins Badewasser geträufelt werden. Darüber hinaus sollen die ätherischen Öle des Lavendels angstlösend und antidepressiv wirken.
Aber auch auf der körperlichen Ebene kann er punkten: Denn der Heilpflanze wird nicht nur eine entzündungshemmende, schmerzlindernde und krampflösende, sondern auch eine antivirale und antibakterielle Wirkung zugeschrieben. Darüber hinaus hält Lavendel Insekten von Mensch, Tier und Pflanzen fern.
Aloe Vera:
Die aus den Tropen stammende Aloe Vera ist eine beliebte Kübel- beziehungsweise Zimmerpflanze, die einen hellen Standort und warme Temperaturen ohne große Schwankungen bevorzugt. Die auch Wüstenlilie genannte Pflanze, die rund 200 verschiedene Inhaltsstoffe, von Vitaminen über Mineralstoffe bis zu Enzymen und Aminosäuren, enthält, wird wegen ihrer kühlenden und entzündungshemmenden Wirkung hinaus seit Jahrhunderten zur Behandlung von Verbrennungen und anderen Wunden geschätzt. Schneiden Sie in diesen Fällen ein Stück eines Aloe Vera-Blattes ab und halbieren Sie es. Tragen Sie das Gel, das an der Schnittstelle austritt, auf der betroffenen Hautstelle auf.
Ringelblume:
Die gelb und orange blühenden Ringelblumen sind mehr als dekorativ. Wegen ihrer entzündungshemmenden, wundheilungsfördernden und desinfizierenden Wirkung werden sie gerne zur Behandlung von Haut- und Schleimhautwunden verwendet – sei es als Tee, als Salbe oder Creme. Geben Sie für eine Tasse Tee ein bis zwei Teelöffel getrocknete Blütenblätter in eine Tasse und gießen Sie diese mit zirka 200 Milliliter kochendem Wasser auf. Lassen Sie den Tee zehn Minuten ziehen und seihen Sie ihn danach ab. Sie können ihn äußerlich, etwa für Waschungen oder Umschläge bei Hautwunden, anwenden. Oder aber auch bei kleinen Verletzungen im Mund damit spülen.
Für eine Ringelblumensalbe erwärmen Sie zwei Tassen Ringelblumen (getrocknet oder frisch) in
250 ml hochwertigem Öl – aber nicht zu heiß werden lassen! Danach abseihen und gemeinsam mit 25 g Bienenwachs so lange erwärmen, bis dieses geschmolzen ist. Füllen Sie die Mischung in Glastiegel, aber verschließen Sie diese erst, wenn die Salbe ausgekühlt ist.
Melisse:
Die wegen ihres zitronenartigen Geruchs auch Zitronenmelisse genannte Pflanze ist nicht nur in der Küche vielseitig verwendbar. Die anspruchslose Melisse, die allerdings stark wuchert, erfreut sich dank ihrer entkrampfenden, beruhigenden und antibakteriellen Wirkung in der Naturheilkunde großer Beliebtheit. Unter anderem wird bei Herzbeschwerden, Magen-Darm-Leiden, Menstruationsbeschwerden, Schlafstörungen, Unruhe, Kopfschmerzen und Erkältung auf sie zurück gegriffen.
Für einen Tee werden etwa zwei Teelöffel getrocknete oder zirka fünf zerkleinerte, frische Melissenblätter mit 250 ml heißem, aber nicht kochendem Wasser übergossen. Tee zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen und danach abseihen.

Schafgarbe:
Auch die Gemeine Schafgarbe ist seit der Antike als Heilpflanze bekannt und beliebt. Die geschnittenen, getrockneten, blühenden Triebspitzen der Pflanze, das so genannte Schafgarbenkraut, regen den Gallenfluss an und wirken krampflösend. Die Gemeine Schafgarbe wird daher gerne bei Verdauungsproblemen, Menstruationsbeschwerden oder zur Hautpflege angewendet. Für die ersten beiden empfiehlt sich eine Tasse Schafgarbentee: Dazu zwei Teelöffel getrocknete Schafgarbe mit etwa 250 ml kochendem Wasser aufgießen und vor dem Abseihen zehn bis 15 Minuten ziehen lassen.
Mit einer Schafgarbensalbe können Sie hingegen rissiger Haut, Entzündungen, Akne und leichten Hämorrhoiden zu Leibe rücken: Übergießen Sie eine Handvoll Schafgarbenkraut (getrocknet oder frisch) mit etwa 100 ml Pflanzenöl, so dass es gut bedeckt ist. Nach dem Erwärmen 24 Stunden ziehen lassen. Anschließend neuerlich erwärmen, abseihen und danach etwa 10 g zerkleinertes Bienenwachs zugeben. Die Mischung neuerlich erwärmen, bis das Wachs geschmolzen ist. Gut umrühren und noch flüssig in Glastiegel füllen. Abkühlen lassen und danach die Tiegel verschließen.
Achtung: Sollten Sie Schafgarbe nicht im eigenen Garten anbauen, sondern in der Natur sammeln wollen, seien Sie vorsichtig, denn Schafgarbe hat einige giftige Doppelgänger. Darüber hinaus sollten Personen mit Korbblütler-Allergie auch beim Genuss von Schafgarbe vorsichtig sein.

Gut zu wissen:
- Die meisten Heilpflanzen werden im Frühjahr angebaut. Dill, Kerbel, Koriander oder Petersilie können aber auch im Herbst ausgesät werden.
- Heilpflanzen sollten nur bei trockenem Wetter gesammelt werden.
- Heilkräuter verlieren sukzessive ihre Wirkung und sollten daher nicht zu lange, idealerweise ein Jahr, aufbewahrt werden.
- Selbst gemachte Heilsalben und – cremes halten meist zwischen einem halben und einem Jahr. Offene Tiegel sollten allerdings rasch verbraucht werden.
- Bevor Sie Heilpflanzen anwenden, informieren Sie sich genau über diese, um das Risiko für allergische Reaktionen oder andere Nebenwirkungen zu reduzieren. Vor allem Schwangere und Stillende sollten vorsichtig sein.
- Heilpflanzen ersetzen keine schulmedizinische Behandlung.
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