Wie lebt ein Mann, für den Design, Funktionalität und Nachhaltigkeit keine Gegensätze, sondern Prinzipien sind? Matthias Schabetsberger, seit September 2025 Managing Director von Polestar Österreich, bewegt sich seit Jahren an der Schnittstelle von Ästhetik, Technologie und Markenidentität. Seit 2020 ist er bei Polestar, auch seine vorigen Stationen sind von der Automobilindustrie geprägt.
Wir treffen den gebürtigen Wiener in der Österreichzentrale des Unternehmens in der Bundeshauptstadt: eine ehemalige Gaszählerfabrik, deren Backsteinhülle geblieben ist, während im Inneren ein radikal offenes Raumkonzept entstanden ist. Vier Etagen, entkernt und neu gedacht, vier verschiedene Unternehmen. Das Office von Polestar wurde vom renommierten Architektenteam BWM gestaltet und es gibt keine klassischen Büros, nicht einmal für den Chef – stattdessen stehen Arbeiten auf Augenhöhe, klare Linien, reduzierte Formensprache im Vordergrund.
Parallelen zu Schabetsbergers privaten Leben sind kein Zufall. Denn während wir in einem der drei Sitzungszimmer sprechen, entsteht im Speckgürtel Wiens gerade sein eigenes Haus – geplant über 18 Monate, gedacht für Jahrzehnte. Ein Ort, der nicht nur funktional sein soll, sondern vor allem eines: stimmig. Und einer, der auch seinem Alltag gerecht wird: mit zwei Hunden, die Bewegung brauchen, und einem Leben, das sich bewusst ins Grüne verlagert hat. Raus vor die Tür, loslaufen, abschalten – genau dieser Rhythmus prägt auch die Art, wie Schabetsberger über Wohnen denkt.
Herr Schabetsberger, Sie arbeiten in einer Branche, in der Design, Materialien und Linienführung eine enorme Rolle spielen. Ihr Büro ist architektonisch sehr anspruchsvoll gestaltet. Spiegelt sich dieser Anspruch auch in Ihrem privaten Wohnstil wider?
Ja, auf jeden Fall. Design ist neben Performance und Sustainability eine unserer drei strategischen Säulen, und dieser Anspruch prägt natürlich auch den privaten Bereich. Mir sind eine klare Formensprache, klare Linien und eine durchdachte Materialauswahl sehr wichtig. Privat kommt vielleicht noch stärker der Praxisnutzen dazu, weil man ein Zuhause für viele Jahre plant, aber grundsätzlich spiegelt sich dieser Zugang in unserem Hausbau ganz klar wider.
Wenn Sie Ihr Zuhause mit einem Fahrzeug vergleichen müssten: Wäre es eher ein sportlicher Alleskönner, ein minimalistischer Elektroflitzer oder ein luxuriöser Langstreckenwagen?
Ich würde sagen: ein sportlicher Alleskönner mit minimalistischem Design. Wenn man ein Haus für mehrere Jahrzehnte baut, muss es unterschiedliche Lebensphasen mittragen und funktional viele Anforderungen erfüllen. Gleichzeitig ist mir aber diese reduzierte, ruhige Gestaltung sehr wichtig. Ich möchte kein aufdringliches Design, sondern etwas, das klar, zeitlos und stimmig ist.


Polestar steht für skandinavische Klarheit und Reduktion. Finden sich diese Prinzipien auch in Ihrer Wohnung wieder – etwa in der Farbwelt, den Materialien oder der Möblierung?
Definitiv. Minimalismus entspricht mir persönlich sehr. Für mich gilt: Weniger ist mehr. Wir konzentrieren uns bewusst auf klare Strukturen, neutralere Farben und natürliche Materialien. Besonders wichtig ist uns Holz, vor allem im Hauptwohnraum. Gleichzeitig achten wir sehr darauf, woher die Materialien kommen und wie sie verarbeitet werden. Es geht also nicht nur um die Optik, sondern auch um Nachhaltigkeit.
Ein Auto wird oft als „zweites Wohnzimmer“ bezeichnet. Wie wichtig ist Ihnen persönlich das Gefühl von Geborgenheit und Atmosphäre – sowohl im Fahrzeug als auch in den eigenen vier Wänden?
Sehr wichtig. Ein Raum – egal ob Fahrzeug oder Zuhause – muss so gestaltet sein, dass man sich wohlfühlt. Bei unserem Haus ist deshalb der offene Wohn-, Küchen- und Essbereich zentral. Das ist der Ort der Begegnung, wo man mit Freunden zusammensitzt, mit der Familie Zeit verbringt oder einfach für sich einen ruhigen Abend verbringt. Atmosphäre entsteht für mich durch Offenheit, Licht, Materialien und das Gefühl, wirklich ankommen zu können.
Menschen, die sich beruflich viel mit Design beschäftigen, entwickeln oft einen sehr geschulten Blick. Macht das das Einrichten leichter – oder im Gegenteil schwieriger?
Ich würde sagen, eher leichter. Man betrachtet Dinge wahrscheinlich anders und hinterfragt mehr – das mag zwar manchen auf die Nerven gehen (lacht), aber ich sehe das als Vorteil. Dazu kommt, dass ich im Lauf meiner beruflichen Karriere in vier verschiedenen Ländern gelebt und viele Wohnsituationen kennengelernt habe. Diese Erfahrungen helfen enorm, weil man ein besseres Gefühl dafür entwickelt, was langfristig funktioniert und was zu einem selbst passt.
Gibt es Möbel, Materialien oder Designer, die Sie besonders schätzen – ähnlich wie man bei Autos eine Vorliebe für bestimmte Marken oder Designsprachen entwickelt?
Ein bestimmtes Möbelstück oder einen bestimmten Designer würde ich nicht hervorheben. Für mich ist am Ende das Zusammenspiel entscheidend. Es gibt auch kein Möbelstück, das mich über all die Jahre begleitet hat – das sind dann schon eher Bilder und Fotografien.
Viele Premiumautos setzen heute stark auf Nachhaltigkeit und neue Materialien. Spielt dieses Thema auch bei Ihrem eigenen Wohnen eine Rolle?
Ja, sehr sogar. Nachhaltigkeit war bei unserem Haus von Anfang an ein wichtiges Thema. Das betrifft nicht nur die Materialien und deren Herkunft, sondern auch die technische Ausstattung. Wir setzen etwa auf eine PV-Anlage, eine Luftwärmepumpe und auf intelligente Steuerungsmöglichkeiten über App. Gleichzeitig versuchen wir bewusst, möglichst wenig Kunststoffmaterialien einzusetzen. Für meine Frau und mich gehört Nachhaltigkeit einfach selbstverständlich zu gutem Design dazu.
Was ist für Sie persönlich der wichtigste Raum in einer Wohnung – das Wohnzimmer, die Küche oder vielleicht ein ganz anderer Ort?
Am wichtigsten ist für mich eindeutig der offene Wohnbereich. Dort spielt sich das Leben ab – ob mit Gästen, mit Familie oder einfach in ruhigen Momenten für sich selbst. Gleichzeitig gibt es aber noch einen zweiten Bereich, der mir persönlich sehr wichtig ist: einen bewusst abgetrennten Homeoffice- und Gästebereich am anderen Ende des Grundstücks. Dieser Rückzugsort ist für mich essenziell – hier kann ich konzentriert arbeiten, ohne das Gefühl zu haben, „daheim“ zu sein. Und hier kann man auch Besuch gut unterbringen.

Ein Kamin ist für mich ein emotionales Element. Ich verbinde ihn mit Ankommen, Ruhe, Wohlbefinden.
Wenn Sie nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommen: Was muss ein Zuhause bieten, damit Sie wirklich abschalten können?
Es muss vor allem ein Rückzugsort sein. Wir sind beide beruflich sehr eingespannt, daher war uns wichtig, ein Zuhause zu schaffen, in dem man wirklich runterkommen kann. Für mich spielen dabei Großzügigkeit, Offenheit und viel Licht eine große Rolle. Gleichzeitig gibt es für mich auch ein sehr klares emotionales Element: den Kamin. Ich bin damit aufgewachsen und wollte in meinem neuen Haus natürlich unbedingt wieder einen haben. Ich verbinde ihn einfach stark mit Ankommen, Ruhe und Wohlbefinden.
Ein gutes Auto erkennt man an der Balance zwischen Technik und Emotion. Würden Sie sagen, dass gutes Wohnen ebenfalls genau diese Balance braucht?
Ja, absolut. Ein Zuhause muss funktional sein, aber es muss auch emotional ansprechend sein. Es soll gut aussehen, zum eigenen Stil passen und zugleich den Alltag sinnvoll unterstützen. Dazu kommt natürlich, dass auch im privaten Bereich ein gutes Kostenmanagement eine Rolle spielt. Aber ich glaube schon, dass man bei der Funktionalität nur begrenzt Kompromisse eingehen sollte – die Balance aus Nutzen, Ästhetik und Gefühl ist entscheidend.
Abschlussfrage: Gibt es ein Detail in Ihrer Wohnung – vielleicht ein Möbelstück, ein Bild oder eine Leuchte – das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Da wir noch nicht eingezogen sind, ist das vielleicht noch ein bisschen schwer zu sagen. Aber zwei Dinge, auf die ich mich besonders freue, sind einerseits ein großzügigeres Bad mit einer entsprechend dimensionierten Walk-in-Dusche und andererseits persönliche Gegenstände wie Bilder, Fotografien und Erinnerungsstücke. Gerade weil ich in verschiedenen Ländern gelebt habe, sind es oft diese Dinge, die einem Zuhause wirklich Charakter geben.
Alle Fotos: Sybille Sierlinger
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