Es gibt diese Gerichte, die sind wie ein gut geschnittener Mantel: unkompliziert, vielseitig, verlässlich – und trotzdem mit Stil. One-Pot-Gerichte gehören genau in diese Kategorie. Sie sind die kulinarische Antwort auf unseren Alltag, der schneller geworden ist, aber nicht weniger anspruchsvoll. Wir wollen Geschmack, Sättigung, Nährstoffe – und bitte wenig Chaos in der Küche. Gleichzeitig feiern One-Pot-Rezepte etwas sehr Altes: das Kochen in einem Gefäß, in dem sich Aromen nicht nur addieren, sondern miteinander verschmelzen.
Ein bisschen Geschichte: Vom Herdfeuer bis zur Gusseisen-Liebe
Man könnte behaupten: One-Pot ist kein Trend, sondern die älteste Kochtechnik der Welt. Lange bevor Küchen Laden voller Spezialgeräte hatten, standen Töpfe über offenem Feuer. Eintöpfe, Ragouts, Suppen und Schmorgerichte waren in nahezu allen Kulturen das, was man heute „Alltagsküche“ nennt: nährend, sättigend und effizient – und oft zugleich das, was Familien zusammenhielt, weil es alle an einen Tisch brachte.
Auch in Österreich sind solche Gerichte tief verwurzelt. Ein kräftiges Gulasch, ein Linseneintopf oder Krautfleckerln – Letzteres ist streng genommen eher One-Pan, aber im Herzen absolut One-Pot – gehören ebenso dazu wie klassisches Rindfleisch, das langsam mit Wurzelwerk vor sich hinzieht und den ganzen Raum nach Sonntag duften lässt. Italien wiederum feiert das Kochen im Topf mit Minestrone oder Pasta e fagioli, bei der Bohnen, Pasta und aromatische Tomate zu einem bodenständigen Wohlfühlgericht verschmelzen.
In Frankreich sind es opulente Klassiker wie Cassoulet oder Boeuf Bourguignon, bei denen Zeit und Geduld das eigentliche Gewürz sind. Spanien liefert mit der Paella ein ikonisches One-Pot-Gericht, das trotz Einfachheit eine ganze kulinarische Kultur in sich trägt. Und in Nordafrika wird die Tajine zum wahren One-Pot-Wunder: ein Gefäß mit Deckel, das Aromen behutsam einfängt und Gewürze wie Zimt, Kreuzkümmel oder Safran zu einer Art Duftgedicht verdichtet.
Der gemeinsame Nenner all dieser Gerichte ist immer derselbe: ein Topf, der aus einzelnen Zutaten ein Ganzes macht. Und genau das ist es, was One-Pot-Gerichte bis heute so zeitlos attraktiv macht.

4 Gründe, warum One-Pot gerade jetzt so boomt
1) Geschmack durch „Aromastapeln“
In einem Topf entsteht eine besondere Magie: Röstaromen vom Anbraten verbinden sich mit Flüssigkeit, Stärke und Gewürzen. Reis, Pasta oder Kartoffeln saugen Suppe, Wein, Tomate, Butter oder Kokosmilch auf – und werden selbst zum Geschmacksträger.
2) Weniger Geschirr, weniger Zeit, weniger Stress
One-Pot ist die Anti-Überforderungsküche. Statt fünf Töpfen, Schüsseln, Sieben und Pfannen: ein Gefäß, ein Kochlöffel, eine klare Dramaturgie. Und am Ende: Küche, die nach Zuhause riecht – nicht nach Abwasch.
3) One-Pot-Rezepte sind perfekt für Meal Prep und Resteküche
One-Pot-Gerichte sind genial, wenn man:
- für 2–3 Tage vorkochen will
- Gemüse- und Kräuterreste verwerten möchte
- günstig kochen will (Hülsenfrüchte, Reis, Saisongemüse)
- pro Portion sehr gut kalkulieren möchte
4) Ein Topf kann auch „Design“
Ein schönes One-Pot-Gericht ist nicht nur Essen, sondern auch Tischkultur. Gusseisen, Emaille, schwere Töpfe mit Patina – man kocht, serviert und isst daraus. Das ist „less is more“ auf kulinarische Weise.

Kleine One-Pot-Regeln (damit’s wirklich gelingt)
- Anbraten zuerst: Zwiebel, Knoblauch, Fleisch oder Schwammerl – Röstaromen sind der Grundton.
- Richtig dosieren: Pasta und Reis brauchen mehr Flüssigkeit als man denkt, weil sie sie aufsaugen.
- Zum Schluss abschmecken: Säure (Zitrone/Essig), Salz, frische Kräuter und etwas Fett (Butter/Olivenöl) machen aus „gut“ „wow“.
- Zeit geben: Ein One-Pot braucht zwar weniger Aufwand, aber oft ein paar Minuten Ruhe – damit sich alles setzt. Bei manchen Gerichten (Gulasch, Chili und Co) lohnt es sich auch, sie am Vortag schon zuzubereiten.
Haben wir Sie auf den Geschmack gebracht? Gut so! Denn weiter geht’s mit drei köstlichen Rezepten.
Cremiges One-Pot-Orzo mit Zitronen-Hendl, Spinat & Parmesan
Ein Gericht wie ein Abend in einem kleinen Bistro: weich, cremig, frisch, dabei erstaunlich unkompliziert.
Zutaten (für 4 Portionen)
- 2 EL Olivenöl
- 1 Zwiebel, fein gewürfelt
- 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
- 450–500 g Hendlbrust oder Hendloberschenkel ohne Knochen, in Stücke geschnitten
- 300 g Orzo (Kritharaki, Reisnudeln)
- 800 ml Hühner- oder Gemüsefond
- 150 ml Schlagobers
- 2 Handvoll frischer Babyspinat
- 1 Bio-Zitrone (Abrieb + Saft)
- 60–80 g Parmesan, frisch gerieben
- Salz, Pfeffer
- Optional: Chili-Flocken, frisches Basilikum oder Petersilie
Zubereitung
- In einem großen Topf Olivenöl erhitzen. Hendlstücke kräftig anbraten, salzen, pfeffern. Kurz herausnehmen.
- Zwiebel und Knoblauch im gleichen Topf glasig anschwitzen (ggf. noch 1 EL Öl).
- Orzo einrühren und 1 Minute mitrösten.
- Fond und Obers zugeben, gut umrühren, aufkochen.
- Hendl wieder in den Topf geben, Hitze reduzieren und 10 bis 12 Minuten köcheln lassen, dabei öfter umrühren – Orzo setzt gern an.
- Spinat unterheben, bis er zusammenfällt. Zitronenabrieb und etwas Saft zugeben.
- Parmesan einrühren, abschmecken. Wer mag: Chili und frische Kräuter drüber.
MyHome-Tipp
- Für mehr Eleganz: ein Schuss Weißwein zum Ablöschen vor dem Fond.
- Für eine „Winterversion“: statt Spinat grüner Mangold, dazu geröstete Pinienkerne.
- Für Gäste: mit Zitronenzesten und Parmesanflocken servieren – sieht sofort nach „Restaurant“ aus.
One-Pot Linsen-Bolognese (vegetarisch) mit Tomate, Karotte & Kräutern
Das perfekte „Comfort Food“ für alle, die Pasta lieben – aber etwas Nährstoffreicheres wollen. Schmeckt am nächsten Tag noch besser.
Zutaten (für 4–5 Portionen)
- 2 EL Olivenöl
- 1 große Zwiebel, fein gewürfelt
- 2 Knoblauchzehen, gehackt
- 2 Karotten, fein gewürfelt
- 1 Stange Sellerie, fein gewürfelt (optional, aber großartig)
- 200 g rote Linsen
- 2 EL Tomatenmark
- 1 Dose stückige Tomaten (400 g)
- 700 ml Gemüsefond
- 1 TL Oregano
- 1 TL Thymian
- 1 Lorbeerblatt
- 1–2 EL Balsamico (oder 1 TL Zucker + 1 EL Zitronensaft)
- Salz, Pfeffer
- Optional: 1 Prise Zimt oder geräuchertes Paprikapulver
- Zum Servieren: Parmesan oder Pecorino, Basilikum, Pasta oder Polenta
Zubereitung
- Öl erhitzen, Zwiebel, Karotte und Sellerie 5 Minuten anschwitzen.
- Knoblauch und Tomatenmark zugeben, 1 Minute rösten (das ist das Geheimnis für Tiefe!).
- Linsen einrühren, Tomaten, Fond und Gewürze zugeben.
- Alles aufkochen, dann 15 bis 18 Minuten sanft köcheln lassen, bis die Linsen weich sind.
- Mit Balsamico, Salz und Pfeffer abschmecken. Lorbeerblatt entfernen.
- Wer es „sauciger“ will: einen Teil mit dem Pürierstab kurz anmixen.
MyHome-Tipp
- Diese Bolognese ist ein Meal-Prep-Star: hält 3 Tage im Kühlschrank und lässt sich gut einfrieren.
- Für die „Dinnerparty“-Variante: auf cremige Polenta setzen, mit Parmesan und Kräutern toppen.
MYHOME-Rezept: Caponata alla Mamma Pina

Streng genommen ist die sizilianische Caponata ist ein Grenzfall, weil die unterschiedlichen Zutaten in verschiedenen Pfannen geröstet, gedünstet und gebraten werden müssen. Die MYHOME-Redaktion sagt aber – der Klassiker aus dem Süden ist einfach zu gut, um ihn Ihnen vorzuenthalten. Diese Variante reicht als Vorspeise für 6 Personen, als Hauptgericht (mit Brot) für 3-4.
Zutaten
- 3 rote Paprika
- 2 Karotten
- 5 kleine Kartoffeln
- ½ Stange Stangensellerie
- ½ große Zwiebel
- 1 Melanzani (Aubergine)
- 10 grüne Oliven (entsteint)
- 3 EL Kapern
- 2–3 EL Pinienkerne (nach Geschmack)
- ca. 600 g Tomatensauce (je nach Gemüsemengen auch etwas mehr/weniger)
- Balsamico-Essig (oder cremiger Balsamico)
- 1 TL Honig
- Basilikum zum Dekorieren
- Olivenöl + Sonnenblumenöl (zum Anbraten)
- Salz
Vorbereitung (10–15 Minuten)
- Gemüse schneiden:
Karotten, Kartoffeln, Sellerie und Paprika in kleine Stücke schneiden (würfelig). Zwiebel fein würfeln. Oliven in Scheiben schneiden. - Sellerie blanchieren:
Sellerie 5 Minuten in kochendem Wasser blanchieren, danach abseihen und beiseitestellen. - Paprika wässern:
Paprika für ca. 30 Minuten in kaltes Salzwasser legen. Das nimmt ihnen ein wenig Bitterkeit und macht sie milder. - Melanzani vorbereiten:
Aubergine in Scheiben schneiden, salzen, 5 Minuten Wasser ziehen lassen. Danach trocken tupfen und in Würfel schneiden.
Zubereitung (ca. 40–45 Minuten)
- Kartoffelwürfel in Olivenöl anbraten, bis sie weich werden und leichte Röstaromen haben. Herausnehmen und in eine große Schüssel geben.
- Karotten in etwas Öl anbraten. Sobald sie weicher, aber noch leicht bissfest sind, die Zwiebelwürfel dazugeben und glasig werden lassen. Gegen Ende Kapern und die Oliven (in Scheiben geschnitten) unterrühren. Diese Mischung ebenfalls in die Schüssel zu den Kartoffeln geben.
- Melanzaniwürfel in Sonnenblumenöl rundum goldbraun anbraten.
- Paprika abgießen, trocken tupfen und in etwas Olivenöl sanft dünsten, bis sie weich sind, aber nicht zerfallen.
- Pinienkerne in einer trockenen Pfanne rösten, bis sie duften und leicht Farbe nehmen. Beiseitestellen.
- Das gesamte Gemüse mit einem kleinen Schuss Olivenöl in einen großen Schmortopf geben (Gusseisen, weil er länger warm hält und die Aromen so besser miteinander verschmelzen können) und 5 Minuten bei niedriger Hitze durchziehen lassen. Dann Tomatensauce sowie die Hälfte der Pinienkerne hinzufügen und alles gut vermengen.
- In einem kleinen Schälchen Balsamico mit 1 TL Honig verrühren (alternativ cremigen Balsamico verwenden). In den Topf geben, gut durchmischen und kurz einziehen lassen.
- Topf vom Herd nehmen und erst dann salzen, wenn die Caponata nur mehr lauwarm ist. So bleibt das Gemüse aromatisch und die Säure wirkt „rund“, nicht hart.
- Die Caponata lauwarm oder bei Zimmertemperatur servieren. Mit den restlichen Pinienkernen und Basilikumblättern toppen.
One-Pot-Gerichte sind keine Notlösung – sie sind eine Art Küchenpoesie: Zutaten, die nicht nebeneinander existieren, sondern miteinander. Am Ende ist es genau das, was wir in unserem Alltag oft suchen: ein bisschen Ordnung, ein bisschen Wärme – und ein Geschmack, der nach „alles ist gut“ klingt.
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